Der lange Weg zur Einschreibung

Nun ja, es hat mal wieder etwas länger gedauert als zuerst gedacht, aber nun komme ich endlich dazu, mal ein bisschen was zu tippen.

Aus Gründen der Orientierung habe ich beschlossen, hier auch mehr oder weniger von vorne anzufangen (Orientierung ist wichtig. Gerade für mich, ich habe mich letztens in meinem Videospiel verlaufen, kein Scherz.)

Also – bevor ich irgendwelches wahlloses und mehr oder weniger interessantes Zeug hier poste, beginnen wir bei meiner Bewerbung und meiner… Einschreibung, die sich als schwerer als gedacht herausstellen sollte

Aber von vorne…

Nachdem ich mein Bachelor-Studium im Wintersemester 2010 erfolgreich abgeschlossen hatte, ging es nun also darum, wie es weitergeht: Es bestand eigentlich kein Zweifel daran, dass ich einen Master machen wollte – zum einen studiere ich wirklich gerne, ich gebe es offen zu. Zum anderen war ich nun auch nie wirklich schlecht in meinem Studium. Geldverdienen klingt zwar auch verdammt verlockend, aber… als was? Ich würde gerne in einem Verlag o. Ä. arbeiten, aber als kleiner Linguistik B.A. ist so die Frage, wie weit man kommt.

So oder so war der Entschluss also schnell gefasst – die Frage war nur, WO. An meiner bisherigen Uni wollte ich nicht bleiben, weil der Master mir da definitiv zu empirisch war. Ich meine, ich mag Linguistik, aber den gesamten Tag im Sprachlabor verbringen wollte ich dann nach Möglichkeit doch nicht. Davon abgesehen, dass mir da die Statistik aus der Ferne entgegenwinkte. Die Mathematik und ich hatten uns nach dem Abi zwar getrennt, aber versprochen, Freunde zu bleiben (nicht zuletzt Professor Layton versicherte mir ein baldiges Wiedersehen mit ihr…) und eigentlich will ich auch, dass das so bleibt. Mehr muss nicht sein.

Auch wenn mich die Sekretärin nach einem Blick auf mein Zeugnis gleich einschreiben wollte… achja. Es wär ja auch zu einfach gewesen xD

Nach einigen Stunden Recherche im Internet, war ich zu mehreren Erkenntnissen gekommen:

1)      Uniseiten entziehen sich jeglicher Logik, was den Aufbau angeht

2)      Uniseiten sind alles andere als benutzerfreundlich

3)      Uniseiten sind alles andere als aktuell

4)      Masterstudiengänge im geisteswissenschaftlichen Bereich sind irgendwie nicht so zahlreich wie die im naturwissenschaftlichen. Aber vielleicht ist das auch nur meine subjektive Empfindung.

Immerhin hatte ich schließlich und endlich dann sechs bis acht Universitäten im Recall, wovon zum Schluss dann drei in die Band kamen in der Endauswahl standen: H., G. und S. Beliebtheitstechnisch hier auch absteigend angeordnet.

Da mein Bachelor-Studiengang zulassungsfrei war, hatte ich damals den Stress mit der Bewerbung nicht wirklich. Ich musste mich lediglich online einschreiben, ein paar unterschriebene Papiere, ein Foto und eine Kopie meines Zeugnisses hinschicken und damit hatte es sich.

Nun bekam ich aber einen ganz guten Einblick, was es heißt, sich wirklich bewerben zu müssen. Auch wenn es verglichen mit ZVS und Einstellungstests noch der Schonwaschgang war.

Allerdings sind Masterstudenten irgendwie immer noch… Exoten. Ich weiß nicht, aber ich habe das Gefühl, der Grundkonsens ist „Naja, gibt es noch nicht so lange, gibt es auch nicht so viele von… ja, macht mal“. Das kombiniert mit der Tatsache, dass sowieso jede Uni ihr eigenes Süppchen köchelt, war… eine interessante Mischung.

Ich hatte drei Arten von Bewerbungen.

1) S. Definitiv die einfachste von allen.

Wie schon beim Bachelor musste ich hauptsächlich eigentlich nur online einen ewig langen Fragebogen ausfüllen – zweimal insgesamt, weil der PC zu Hause prinzipiell jede Art von menschlichen Wesen verabscheut und deswegen grundsätzlich einmal pro Benutzung abstürzt oder zumindest die Internetverbindung frühstückt.

Danach wurde ein Kontrollblatt ausgedruckt, unterschrieben und dann mit beglaubigten Kopien von Abi- und Uni-Zeugnis abgeschickt. Und fertig war, hurra!

2)  G. Schon etwas abenteuerlicher, da ich zuerst mal ziemliche Probleme damit hatte, was genau ich nun studieren darf und was nicht und wie ich mich für was bewerbe. Mitten in der Bewerbung merkte ich dann nämlich auch, dass ich ein Nebenfach brauchte – davon stand davor zwar nirgendwo was. Zumindest mal nicht, auf den Seiten, die ich durchforstet habe, aber es könnte natürlich sein, dass ich vor lauter Übersichtlichkeit etwas übersehen habe…

Aber im Prinzip das gleiche Spiel – Onlinebewerbung über zig Seiten (wobei es etwas schwer war, das Bewerbungsprogramm wirklich davon zu überzeugen, dass ich privatversichert bin… es wollte es einfach nicht wahrhaben), Kopien von Zeugnissen dazu und zusätzlich noch einen Lebenslauf.

Mein persönliches Highlight war allerdings die letzte Seite, auf der Hinweise standen, welche Zusatzformulare man gegebenenfalls ausfüllen muss:

„Wenn Sie sich für einen Masterstudiengang bewerben, dann brauchen sie zusätzlich noch Formular XYZ.“ Daraufhin folgte ein Doppelpunkt und dann… ein leeres Feld.

Ganz großes Kino.

Mal davon abgesehen, dass sich die Adressen, an welche man die Bewerbung schicken sollte, auch irgendwie von Seite zu Seite änderten – ich habe mich dann einfach für die zuletzt genannte entschieden, da mir nach langen erfolglosen Suchen nach den Zusatzformularen die Lust vergangen war.

3) H. Mein absolutes Highlight.

Hier gab es noch kein Online-Anmeldeverfahren, da… H. sowieso speziell ist und da wirklich ALLES sein eigenes Ding dreht, fürchte ich.

Der Antrag auf Einschreibung musste also als PDF heruntergeladen, ausgedruckt und von Hand ausgefüllt werden, da die PDF-Datei sinnigerweise schreibgeschützt war. Vier Seiten sauberste Druckbuchstaben später durfte ich dann dazu noch einen dreiseitigen Motivationsbrief verfassen (meine Motivation dafür war auch… grenzenlos. Aber er ist ganz gut geworden, finde ich) und einen zweiseitigen Lebenslauf dazu packen. Dazu dann noch die Kopien der Zeugnisse, eine Erklärung, dass ich meinen Prüfungsanspruch noch nicht in dem Studiengang verloren habe und eine weitere Erklärung, dass ich den Motivationsbrief selbst verfasst habe. Als Bonus kam dann noch die Kopie des Preises für Latein, den ich nach dem Abi erhalten hatte, und eine Bestätigung meines Ferien-Arbeitsgebers über meine Tätigkeit dort dazu.

Etwas panisch bemerkte ich dann, dass ich kein Passfoto von mir besitze. Glücklicherweise habe ich aber irgendwo in den Untiefen meines Geldbeutels noch das gefunden, das ich in Finnland mal von mir gemacht habe. Nicht gerade das aktuellste oder schönste, aber es war in Ordnung

Alle Briefe wurden abgeschickt und schon einen Tag später klingelte das Telefon und der Professor in H., an den ich meine Bewerbung geschickt hatte, rief mich an, um mir mitzuteilen, dass ich dann im Übrigen angenommen war.

Meine Reaktion war ungefähr wie folgt:

Abolute Sprachlosigkeit – verwirrte Fassungslosigkeit – ungebändigte Freude – grenzenlose Hyperaktivität

Okay, DAS war dann der Schritt, der wirklich einfacher war, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Dankbarerweise hatte ich auch einen netten Professor, der sich die Mühe gemacht hat, mich anzurufen und mir gleich Bescheid zu geben, damit „ich noch eine gute Wohnung finde, bevor alle danach suchen“. Ich bin ihm wirklich unendlich dankbar dafür, denn ich HABE nun eine gute Wohnung und das habe ich nicht zuletzt zu verdanken, dass ich schon im Juli danach suchen konnte.

Wohnung war gefunden, Mietvertrag wurde unterschrieben und der Zulassungsbescheid kam. Ich schickte meine Immatrikulationsunterlagen frühzeitig an die Uni, gab viel zu viel Geld bei IKEA aus, bewerkstelligte irgendwie den Umzug und dachte eigentlich, das schwerste sei nun geschafft.

Ja, oder auch nicht.

Zur kleinen Orientierung: Das Semester begann offiziell am 01.10. (oder doch am 01.09.? Naja, so wichtig war das nun auch nicht), die Fristen für die Einschreibung endeten am 07.10., die Vorlesungen begannen offiziell am 11.10.. Meine Unterlagen für die Immatrikulation hatte ich schon im September abgeschickt.

Nun vergingen die Tage und… es kam keine Immatrikulationsbescheinigung. Was tendenziell ganz dumm war, weil sämtliche Ämter und Behörden mir auf die Füße traten. Klar, das Semester hatte Anfang Oktober begonnen – wie soll es da möglich sein, dass ich noch keine Immatrikulationsbescheinigung besaß?

Am 04.10. beschloss ich, mal nachzufragen. Die Frau im Studentensekretariat war sehr nett und bemühte sich, mich damit zu beruhigen, dass es bei nicht-konsekutiven Masterstudiengängen eben immer etwas anders sei und etwas länger dauerte (wollt ihr raten? Richtig, es beruhigte mich nicht.)

Am 06.10. schließlich bekam ich einen sehr verwirrenden Anruf. Nach mehreren Minuten hatten ich und mein Gegenüber uns aber soweit verständigt, dass ich wusste: Offensichtlich war ein Fehler in meiner E-Mail-Adresse, die Mail war an die falsche Person geraten und… lange Geschichte.

Die Grundaussage war allerdings: Es fehlten noch Unterlagen von mir. Und die mussten nachgereicht werden und das am besten bis vorgestern oder so.

Große Freude.

Zum einen fehlte der Zulassungsbescheid, was mir bis heute noch ein Rätsel ist. Das Original hatte ich nicht mehr und da ich eher seltener irgendwelche Zulassungsbescheide an Freunde verschicke, EINFACH WEIL ICH ES KANN, bin ich mir sehr sicher, dass der schon im ersten Brief an die Uni dabei lag. Aber nun gut. Ich hatte mir in einem genialen Moment Gott sei Dank eine Kopie gemacht und legte da eben nochmal eine bei.

Das andere, was fehlte, war eine beglaubigte Kopie meines Abizeugnisses. Und zwar eine beglaubigte Kopie des ORIGINALS des Abizeugnisses, ich hatte nur eine beglaubigte Kopie der (ebenfalls beglaubigten) Abschrift.

SCHOCK SCHRECK SCHWERE NOT. Das war natürlich ein SKANDAL. Wie konnte ich es wagen. Naja, der Scherz kostete mich 4€ und eine langweilige halbe Stunde auf dem Bürgerbüro hier im Ort, aber dann bekamen sie endlich ihre heilige beglaubigte Kopie des Originals meines Abizeugnisses.  Und der Weltfrieden war wieder hergestellt.

Das letzte, was noch zu meiner Einschreibung fehlte, war eine Befreiungsbescheinigung einer Krankenkasse, da ich ja privatversichert bin.

Ich hatte um ehrlich zu sein keinen Plan, was genau damit gemeint war, aber mein guter Freund Google half mir weiter.

Welcher bürokratisch-juristischer Akt nun genau dahintersteckt, weiß ich nicht, aber die Sache ist die: Wenn man als Student privatversichert ist, braucht man für die Uni eine Befreiungsbescheinigung einer gesetzlichen Krankenkasse. Richtig. Man muss zu einer gesetzlichen Krankenkasse gehen und sich bestätigen lassen, dass man nicht gesetzlich versichert ist. Ja, warum auch nicht.

Ich habe dann gleich einmal bei der AOK angerufen und nachgefragt, ob man mir so etwas ausstellen kann. Die Frau am Telefon war auch sehr nett und hat mich gleich an die Studentenberatung der AOK in H. verwiesen (die ich nach einigen wenigen Irrläufen auch tatsächlich gefunden habe! Und das mit meinem Orientierungssinn! Es war wirklich eine Glanzstunde, möchte ich behaupten).

Das einzige, was mich etwas genervt hatte, war die ständige Aussage von allen Mitarbeitern, die mich wieder und wieder darauf hinwiesen, dass ich sowas „ja schon haben müsste“, weil ich ja schon einmal an einer Uni eingeschrieben war.

Ja, schon klar. Wenn ich die Unterlägen aber noch hätte, wäre ich wohl nicht dort und würde nach neuen fragen. Eigentlich habe ich in meiner Freizeit besseres zu tun, als mir Befreiungsbescheinigung von gesetzlichen Krankenkassen zu holen.

Immerhin meinte ich mich zu erinnern, dass meine Mutter das damals für ich organisiert hat und ich meinte mich ebenfalls zu entsinnen, dass sie bei der AOK war. Glücklicherweise trügte mich meine Erinnerung nicht, denn wie ich erfuhr, kann man sich nur einmal im Leben befreien lassen – wenn man sich also einmal eine Bescheinigung von der AOK geholt hat, kann man nur wieder bei genau dieser Krankenkasse einen erneuten Ausdruck holen und sonst bei keiner anderen. Auch gut zu wissen. Gott sei Dank war Mama damals bei der AOK (und ich konnte die Mitarbeiterin erfolgreich mit einem „Bitte schauen Sie doch einfach im System nach“ davon abhalten, unwissend mit der Aussage „Ja, dann fragen Sie doch Ihre Mutter, wo sie damals die Bescheinigung für Sie geholt hat“ eine Punktlandung ins Fettnäpfchen zu landen).

Nun gut, glücklicherweise war Mama wirklich bei der AOK gewesen, ich stand noch im System, bekam meinen Ausdruck und konnte mich Richtung Uni trollen.

Netterweise hatte mich die Mitarbeiterin der AOK im Büro vor der Verabschiedung noch einmal freundlich darauf hingewiesen, dass ich aber noch ganz sicher eine Bescheinigung zu Hause liegen habe, da man angeblich immer zwei bekommt: eine für die Uni, eine für die eigenen Unterlagen.

Als ich im Studentensekretariat stand, merkte ich allerdings, dass sie mir nur eine Kopie mitgegeben hatte. Ha ha.

Nach einer dreiviertel Stunde Beine in den Bauch Stehen vor dem Studentensekretariat konnte ich dann auch endlich meine Unterlagen abgeben und – es geschehen noch Zeichen und Wunder – erhielt am 09.10. tatsächlich meine Immatrikulationsunterlagen. HALLELUJA!

Ganz blöd war nur, dass die Frist für die Einschreibung in die Kurse schon am 07.10. abgelaufen war. Dafür hätte man nämlich eine Matrikelnummer gebraucht. Nicht witzig.

Spontan führte mein Weg montags dann noch vor meinen ersten Vorlesungen in ein weiteres Sekretariat – nämlich das des Mannes, der mich in die Kurse eintragen konnte. Natürlich musste das Büro im Germanistischen Seminar zu finden sein, welches sich am Ende der Altstadt befindet, weil die Germanisten sich offensichtlich dachten, das sei ein netter Ort für sie. Da, wo sonst keiner ist. Hurra.

Ich meine, man hat wirklich einen schönen Blick auf das Schloss, aber der Nachteil ist, dass man einmal die gesamte Hauptstraße der H. Innenstadt runter muss und die ist LANG. Bei meinem Talent, die Busse zum Karlsplatz zu verpassen, renne ich das Ding dann täglich auch mindestens zweimal entlang.

Für meine Kursanmeldung hatte ich mir auch wirklich ALLES rausgeschrieben, was es zu den Kursen zu wissen gab: Name des Dozenten, Vorlesungsort inkl. Adresse des Gebäudes und Raumnummer, Name der Veranstlatung, Nummer, Modul, in welches es mir angerechnet werden soll, alles. Was will man von mir wissen? Was für eine Art Vorlesung es ist, also wirklich eine Vorlesung oder ein Seminar oder… SONSTWAS. Ich hab dann nach dem besten Wissen und Gewissen zusammen mit dem Professor alles durchgeraten und hoffe, es stimmt nun. Irgendwie. Vielleicht.

Theoretisch sollte ich nun für die Kurse angemeldet sein, praktisch habe ich eben gerade erst nachgeschaut und bin online nicht in den Listen drinnen – NICHT WITZIG. Ein weiterer Besuch wird mir also nicht erspart bleiben (nichts gegen den Menschen an sich, aber es nervt eben, wenn man allen Dingen hinterherlaufen muss).

Allgemein wäre es mal nett, wenn man mal eine zentrale Stelle hätte, bei der man einfach allgemeine Infos bekommt  – Was muss man machen, worauf muss man achten und vor allem: WIE ZUR HÖLLE MACHT MAN ES?

Das gilt nun nicht nur exklusiv für H., sondern allgemein für alle Unis da draußen: Eure Studenten würden sich sehr viel besser zurechtfinden, wenn sie ihre nächsten Schritte nicht raten müssten, sondern einfach wüssten, welche Unterlagen oder Anmeldungen wann wo gemacht werden müssen. Es wäre so viel einfacher.

Also ja – so viel zu meiner Bekanntschaft mit der Bürokratie meiner Uni. Wir lieben es… nicht. Nein, definitiv nicht.

Ich trage das Ganze mit einer Art von resigniertem Wahnsinn 8D

Und hoffe das Beste für die Zukunft. Wie immer halt |D

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It’s… resurrection time!!

Hallo liebe Leser,

 

Ja, ich habe tatsächlich vor, diesen Blog wiederzubeleben. Einfach, weil ich Lust dazu habe, die Welt an meinen sinnlosen Berichten über alles und nichts teilhaben zu lassen =)

Ich kann jetzt schon sagen, dass ich wahrscheinlich nicht schreibfleißiger sein werde als zuvor auch XD Aber ich versuche es zumindest einmal… so ein bisschen.

Ich habe auch schon eine Idee, was ich als allerersten Artikel veröffentlichen will… eventuell bekomme ich es sogar hin, ihn morgen zu veröffentlichen, aber ich sollte meinen Fleiß nicht zu früh loben =P

Wie auch immer… viel ist passiert. Ich bin schon lange nicht mehr in Finnland, natürlich. Bin inzwischen mit meinem Bachelor-Studium fertig und habe vor einer Woche mein Masterstudium angefangen. Eigene Wohnung, neue Uni, neue Stadt, neuer Studiengang… ich kann nicht sagen, dass mir langweilig war…
So, nun. Ich würde mich jedenfalls über ein paar Leser freuen!

 

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Lebenszeichen

Ich bin definitiv unfähig, einen Blog zu führen, vielleicht sollte ich mich einfach mit dieser simplen Tatsache abfinden.

Aber nun gut – hier einfach einmal ein kurzer Eintrag, um zu sagen: Ich lebe noch!!! ;)

Ich bin mal gespannt, ob ich alle Berichte noch IN meiner Zeit hier fertig stelle – neben Bildern von der Stadt und so wollte ich nämlich eigentlich auch noch einen Bericht über unser Wochenende in Stockholm und meine Woche in Lappland schreiben… huh, abwarten.

Aber ja, aktuelles Geschehen vor Ort: Wie erwähnt waren wir vor zwei Wochen in Stockholm für ein Wochenende (und es war toll) und letzte Woche war ich in Lappland – und das war auch unglaublich genial!! Sehr viel Schnee, sehr wenig Menschen… aber gutes Programm! Der Urlaub hat sich wirklich gelohnt! Aber ja, wie gesagt, ich habe fest vor, einen ausführlichen Bericht zu schreiben… so… irgendwann… hoffe ich!

Ansonsten hab ich leider meine Chance verpasst, von dem tollen Schnee hier zu berichten… inzwischen ist der fast schon wieder weg – es hat wieder Temperaturen über Null (und ich SCHWITZE beim Fahrradfahren!! Irgedwie beeindruckt mich nach Lappland alles über -5°C und unter knöcheltiefen Schnee nicht mehr, haha!) und es nieselt. Bezauberndes Wetter und perfekt zum Fahrradfahren, vor allem, wenn man Brillenträger ist. Freude. Vom Schnee selbst sind nur noch graue, matschige Reste übrig. Ich habe ja die Hoffnung, dass es noch einmal ein bisschen schneit, bevor ich wieder nach Hause muss… abwarten. Laut finnischem Wetterbericht, soll es ab Freitag hier zumindest wieder etwas kälter werden.

Fahrradfahren im Schneematsch ist im übrigen auch nicht ungefährlicher als Fahrradfahren auf geschlossener Schneedecke. Heute morgen wäre ich fast die Myllypoku (kleine steile Strasse neben unserem Gebäude) runtergerutscht. Kopfvoran. Stell ich mir nicht angenehm vor, um ehrlich zu sein! Naja, aber die gute Nachrricht ist: Ich habe es überstanden und sowohl an meinem Luke (= Fahrrad) als auch an mir ist noch alles dran :)

Allerdings sind mir unten auf dem Weg seltsame Ding aufgefallen – der gesamte Weg war von schleimig halbgefrorenen halbflüssigem Schneematsch bedeckt – bis auf zwei oder drei kreisrunde Stellen, die komplett frei waren von Schnee und allem. Mal ganz ehrlich – sind da die UFOs gelandet, oder was?! Na, wie auch immer…

Unitechnisch geht es nun in die finale Phase! Schwedisch haben wir schon am 20. Dezember geschrieben (und bestanden! Vi är underbar! Vi är klok! Vi är… naja, ich glaub, ihr versteht, was ich meine ;) ), meine Präsentation im Kurs „What is  word“ hatte ich dann am selben Tag (juhuu…) und die Präsentation zum Shakespeare-Kurs hatte ich schon irgendwann am Anfang des Semesters. In allen anderen Kursen geht es nun zum Ende zu: Für „Grammar in Discourse“ musste ich heute mein Essay abgeben (eigentlich musste ich das schon am Donnerstag abgeben, da ich da aber in Lappland war, hat die Lehrerin mir erlaubt, das auf heute zu verschieben – dreimal dürft ihr raten, was meine Beschäftigung von gestern und vorgestern war…), unsere letzte Vorlesung ist dann diesen Donnerstag, danach müssen wir aber noch ein Essay schreiben und abgeben.

Finnisch macht sich im Moment auch eher unbeliebt. Am Freitag müssen wir eine Präsentation halten (über einen finnischen Celebrity – AUF Finnisch! Haha, das wird… spassig), am Montag ist dann der Hörverstehenstest dran, am Dienstag die spontane mündliche Prüfung und die schriftliche Abschlussklausur. Naja, ich hab ja noch eine ganze Woche… für… zwei Billiarden Vokalben und zwanzig verschiedene Grammatikregeln, aber okay! Uff, so sehr ich die finnische Sprache mag – und ich mag sie wirklich – so sehr graut es mir auch vor den Prüfungen :( Naja…bestehen werd ich schon… irgendwie, denke hoffe ich.

Ansonten meldet sich dann zu allem Übel auch noch der Shakespeare-Kurs, für den wir IRGENDETWAS für morgen vorbereiten sollen. Wenn ich das richtig verstanden habe, soll jeder in fünf Minuten erläutern, wie er entweder „A Midsummer Night’s Dream“ oder „Twefth Night“ im Theater aufführen würde. Ich bin momentan noch nicht sicher, ob ich wirklich eine richtig moderne Fassung vorschlagen soll… so… Lysander als Rebell, Kopf einer Motoradgang oder so, der die gute Hermia, stereotyp wolbehütete Tochter eines Politikers im Parlament, heiraten will. Natürlich ist der Vater dagegen und will lieber, dass Hermia Demetrius ehelicht, Sohn von einem seiner Kollegen, smart, gut angezogen, studiert und mit Geld und deswegen die perfekte Partie für das Töchterchen. Theseus, hier kein König ist, aber zumindest wer, der viel zu sagen hat, kann den Vater dazu überzeugen, Hermia noch ein bisschen Bedenkzeit zu geben und die Entscheidung auf den Tag von Theseus‘ und Hyppolitas Hochzeit zu verschieben (bei Hyppolita bin ich mir nicht sicher – eigentich ist die eine Amazone, die sich Theseus aus einem Krieg mitgebracht hat… ich dachte zuerst als Hyppolita als eine Frau aus…einem Katalog aus Asien oder so, aber ich fürchte, das ich politisch unkorrekt und ich werd dafür gesteinigt. Also lieber nicht…). Hermia und Lysander hauen zusammen ab und da Helena, Hermias beste Freundin, Mädchen aus einfachen Umständen und unglücklich verliebt in Demetrius, sie verpfeift, folgt Demetrius ihnen. Ach, und Helena auch, wobei die eher Demetrius hinterherrennt. Sie gelangen dann schliesslich in den Wald der Feen, die ich mir unweigerlich als Hippies vorstelle (womit der „Nektar der Blume“, den die Feen verwenden, um einiges an Verwirrung zu stiften, auch eine ganz andere Interpretation bekommt…jaja, haha…). Naja… so-was-wie-Hippies-aber-keine-echten-Hippies. Eben irgendwas, das im Wald in seiner eigenen Welt lebt, Spass hat, vielleicht ab und an mal ’nen Baum umarmt und friedfertig ist. Nennen wir es „moderne Feen“ oder so. In „A Midsummer Night’s Dream“ wird es selbst ja nicht klar, ob die Geschehnisse im „Zauberwald“ Wirklichkeit waren oder wirklich nur ein Traum der Protagonisten. Also: Alles offen für Interpretation!! Ich denke, die einzigen, die ihre Rolle behalten, sind die Handwerker. Die bleiben dann auch in der Version des 21. Jahrhunderts einfach nur Handwerker :) Die sind so gut, wie sie sind! Und können ihr bestes bei der Inszenierung ihres Theaterstücks geben.

Uh, was bekomme ich, wenn ich DAS morgen so vorstelle? :D

Hey, mir gefällt die Idee immer besser – schlimmer als die moderne Fassung der Zauberflöte kann es nicht sein! Dem Gesang und der Musik hat es zwar keinen Abbruch gegeben – aber diese Kostüme! Die sahen alle aus wie aus irgendeinem Raumschiff entstiegen  oder einer Halloweenparty entflohen. Schlimm, schlimm… selbst auf der Modewoche von Mailand wird sowas nicht über den Laufsteg gejagt!

Ah, achso die Alternative wäre eben eine traditionelle Art der Aufführung… nee, ich glaub, ich bleib bei meinem Flower-Power :) Das ist kreativ und ich kann es begründen! (Verstärkung des komischen Effekts durch die etwas absurde Darstellung… vor allem in Verbindung mit Shakespeares Sprache!)

So, aber nun genug über meine Hausaufgabe philosofiert… in dem Kurs darf ich dann auch noch ein Essay schreiben… genauso wie das Essay zu dem „What is a word“-Kurs. Die Finnen stehen irgendwie auf Essays scheint mir – ich hasse sie jetzt schon!

Eine letzte Anmerkung noch: Ich versuche geraden nebenher Bananenjoghurt zu mir zu nehmen. Wie genau das funktioniert, weiss ich aber noch nicht. Der Joghurt, den ich mich gestern gekauft habe, ist zwar richtig lecker (und ich hab inzwischen schon so viel davon gegessen, dass mir richtig schlecht ist), aber er wird in Milchkartons verkauft. Okay. Da ich dachte, das sei ein Joghurtdrink, habe ich es gestern mal damit versucht, ihn in ein Glas zu füllen und zu trinken – nicht optimal. Auch das Trinken direkt aus dem Karton ist grenzwertig. Eventuell ist das wirklich nur für finnische Umstände „normaler“ Joghurt, den man in eine Schüssel füllt und dann mit dem Löffel isst… mal lernt nie aus.

Wie auch immer, ich werde mich nun aber mal an das Vorbereiten meines Referats für Finnisch machen. Unser Thema ist „Tarja Turunen“ und mein Teil besteht aus ihrer Trennung von Nightwish. Naja, dazu sollte sich ja was finden lassen…. bis zum nächsten Post!!

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<3

Schlaf ein. Es war ein langer Tag.
Der Sandmann hat jetzt leichtes Spiel.
Lass alles los, was dir die Ruhe nimmt.
Such keinen Weg und such kein Ziel.
Schlaf ein. Es war ein langer Tag
und manches lief dir heute quer.
Lass alles gehn und ruh dich aus –
schlaf ein und träum vom Meer.

Schlaf ein. Es war ein langer Tag.
Hüll dich ein im Dämmerlicht.
Dein Atem nimmt sich mal ein langes Haar
und legt’s dann wieder sanft auf dein Gesicht.
Schlaf ein. Es war ein langer Tag,
doch was heut‘ war, ist lange her.
Ich bleibe bei dir, bis du schläfst.
Schlaf ein und träum vom Meer.

Du läufst an einem weiten Strand
barfuß durch den Sand.
Der Leuchtturm schickt sein helles Licht
gleichmäßig leise durch die Nacht,
so, wie er das schon immer macht.
Was unten läuft, das interessiert ihn nicht.

Du schläfst. Es war ein langer Tag.
Auch wenn du mal an Grenzen stößt:
Die Sorgenfalte ist jetzt nicht mehr da,
sie hat sich in ein Lächeln aufgelöst.
Du schläfst. Es war ein langer Tag.
So, wie ein leckeres Dessert,
so süß soll’n deine Träume sein.
Ruh dich aus.

Schlaf ein und träum vom Meer.

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Unsere Uni

So, scheint als würde ich einmal mein Wort halten und tatsächlich „zeitnah“ einen neuen Eintrag machen (ich hasse dieses bescheuerte Adjektiv „zeitnah“ – ich habe es hier nur deswegen gebraucht, um ein für alle mal allen, die meinen Blog verfolgen, zu erkären, dass ich es verabscheue. Wirklich, dummes Wort. Schlimmer sind nur noch Worte, die in die Kategorie „Briefing“ bzw. „gebrieft“ fallen – das ist verbaler Sondermüll!).

Okay, nun aber zum eigentlichen Sinn und Inhalt des Eintrages. Ich komme einmal wieder mit Fotos, dieses Mal von der Uni. Ich habe beschlossen, die Fotos von Jyväskylä in einen gesonderten Eintrag zu packen – den nächsten nämlich. Solange gibt es hier wunderbare Fotos von unserem Campus, wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass ich einige auch von der Uni-Website habe, da wir selbst gar nicht soo viele hübsche von der Uni gemacht haben (Schande über uns!!)

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Fotos!!!

So, irgendwie bessert sich das mit mir und dem Blog bisher… nicht wirklich. Ich gebe aber weiterhin mein bestes! (*HUST*)

Wie auch immer… habe beschlossen, mich heute einmal am Fotohochladen zu versuchen, einfach um einen weiteren Roman zu umgehen… Ausserdem bekommt ihr so endlich auch mal was von Finnland zu sehen und ich kann meine redundanten Beschreibungen auch ein bisschen anschaulicher machen :) Und ich hoffe, dass ich in dieser Woche noch einige Posts hinbekomme… deswegen starten wir heute einmal zuerst mit Fotos von unserer Ankunft und der Wohnung :)

In dem Sinne: Auf geht’s!

(Anmerkung: Sollten einige Bilder nicht in der Kleinansicht funktionieren, dann mal draufklicken – theoretisch sollte sich das Bild dann in einem neuen Fenster öffnen!!)

(Anmerkung zwei: Auf „Das Lesen fortsetzen…“ klicken – Danke)

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Danken möchte ich allen Leuten, die dies hier möglich gemacht haben…

…allen voran natürlich mir selbst und meiner unglaublichen und unschlagbaren Unfähigkeit, einen Blog zu führen, die kombiniert mit meiner schier endlosen Faulheit dazu führt, dass ich mich nun leider dazu gezwungen sehe, einen Eintrag erschreckender Ausmasse zu verfassen.


Nein, im Ernst…. Nachdem ich nun schon von meinen beiden Tanten, sowie von Annes Mutter und Manu darauf hingewiesen wurde, dass ich schon lange nichts mehr hier geschrieben habe, gibt es hier endlich einmal wieder ein Lebenszeichen von mir! :D

Freut euch!
(Immerhin weiß nun ein jeder den Grund, warum ich schon sehr sehr lange kein Tagebuch mehr schreibe…).

Die gute Nachricht ist: Es gibt mich und Anne noch.

Die schlechte ist, dass ich einmal wieder krank bin… Anscheinend habe ich meine Abwehrkräfte in Deutschland bei meinem Lieblingsshirt liegen lassen (Ja, ich vermisse es sehr…)… aber gut.

Da ich nicht mehr ganz weiß, wie alles chronologisch abgelaufen ist, habe ich diesen Eintrag nun nach Themen geordnet! Oho, ja, ich bin heute schrecklich kreativ! (es gibt sogar ganz tolle Überschriften dazu… ich bin begeistert!!)

Für die Zukunft nehme ich mir einfach vor, wieder häufiger etwas zu schreiben, bevor es einen weiteren Mammuteintrag wie diesen hier gibt… Frage ist eben, ob ich mich auch daran halte, ne? ^^

So, nun aber wirklich genug der einleitenden Labereien, auf geht’s! ^^

Suomi Yksi – Me puhumme tosi vähän suomea

So, ich verstehe zwar nicht, warum das Rechtschreibprogramm von Word sich nun auf Französisch umgestellt hat, denn das da oben sollte eigentlich Finnisch sein… aber gut, muss ich vielleicht auch nicht verstehen…

Jedenfalls ist unser erster Sprachkurs nun rum! Ende, aus, vorbei!

Natürlich können wir allesamt noch nicht wirklich gut Finnisch – aber die wichtigsten Dinge können wir sagen! Also, wie man heißt, wie alt man ist, woher man kommt, welche Sprachen man spricht, was man gerne isst, was man so gerne macht und natürlich das wichtigste von allen: „Mä en ymmärrä“, „Mä en puhu suomea“ oder „Puhutko sä englantiaa?“ (bedeutet: „Ich verstehe nicht“, „Ich spreche kein finnisch“ und „Sprichst du englisch?“).

Unsere fünf Credits, die wir für diesen Kurs bekommen, mussten wir uns allerdings sauer verdienen – wir mussten vier „Tests“ über uns ergehen lassen, um zu bestehen.

Der erste bestand darin, einen kurzen Dialog mit einem Partner zu verfassen und dann auswendig vor versammelter Klasse vorzuführen.

Das Schreiben war etwas nervig, da man mit dem eingeschränkten Vokabular, das wir zur Verfügung hatten, nun nicht den wirklich tollen und kreativen Dialog zaubern kann (man könnte mir und Nina natürlich auch vorwerfen, dass wir etwas unmotiviert waren und uns lieber ihrer wunderbaren Kamera widmeten… sie hat eine Bridge!! Ich will auch so eine!!), das Auswendiglernen war kein wirklicher Akt, und das Vortragen war dann sogar ziemlich lustig.

Okay, die wirklichen Highlights gab es bei meinem und Ninas Dialog inhaltlich nun nicht… interessant war eher das, was NICHT geklappt hat.

Nun ja, die Geschichte war die, dass ich die (ungarische, glaube ich) Austauschstudentin bin, die mit Wäsche beladen durchs A-Gebäude in Myllyjärvi irrt und die Waschmaschinen sucht. Nina steht da halt ganz zufällig und wird auch sogleich von mir belästigt und um Rat gefragt. Und so kommen wir ins Gespräch und erzählen allerlei Dinge von uns (Alter, Name, woher wir kommen… ich sagte ja, wir waren schrecklich kreativ) und sie lädt mich dann spontan zum Film schauen zu sich ein (was ich auch mit JEDEM mache, den ich auf dem Weg zur Waschmaschine treffe, aber okay…), wir tauschen Handynummern aus und dann darf ich endlich meine Schmutzwäsche zur Waschmaschine bringen.

Nun ja, der Nobelpreis für Literatur gehört mir, soviel ist einmal sicher…

Das erste Highlight war, dass Nina zu Beginn der Szene auf der falschen Seite stand. Da das Klassenzimmer so war, dass die Tische ein U bildeten, dessen Öffnung zur Lehrerin zeigte und Nina und ich ganz vorne an einer der Seiten saßen, ist es schon logisch, dass ich mit den Rücken zu unseren beiden Tischen (die ja demzufolge leer sind) stehe, die Schmutzwäsche – dargestellt durch unsere beiden Mäntel –auf dem linken Arm und Nina rechts neben mir, damit der Rest des Zimmers auch was von uns sieht. Außer unseren Rücken.

Nur hatte Nina sich dazu entschlossen, dass sie lieber vor unseren Tischen steht und zwar mit dem Gesicht zu mir. Soll heißen unsere Szene begann mehr oder weniger damit, dass das Publikum lediglich ihren Rücken und meinen Arm voll Jacken sah.

Ja, dumm, ne?

Gut, nach einigem Hin- und her hatten wir uns dann irgendwie schließlich doch so sortiert, dass die Leute zumindest unsere Gesichter sahen und wir konnten loslegen.

Das zweite Highlight folgte dann zum Schluss – Nina sollte mir ja ihre Handynummer (bzw. irgendeine spontan ausgedachte Nummer) geben. Requistite war – manche ahnen es vielleicht auch schon – mein Handy, dass ich mir in Gesäßtasche meiner Jeans gesteckt hatte. Leider in die linke und auf dem linken Arm trug ich dummerweise unsere Jacken.

Das ganze wäre vielleicht auch noch mehr oder weniger elegant von Statten gegangen, da ich ja zumindest so beweglich bin, dass ich um mich selbst herumgreifen kann.

Dummerweise hatte sich die eine Figur (Deidara <3), die an meinem Handy hängt, irgendwo verfangen, soll heißen, ich hatte meine liebe Not, das dumme Ding dort herauszuzerren.

Sah ganz bestimmt nicht toll aus – aber mein Gott, wenn jemand fragen sollte: Es war geplant!

Die restlichen Dialoge waren allerdings ziemlich amüsant. Wir hatten ein paar, die ich aufgrund ihrer Aussprache absolut nicht verstanden habe und zu denen ich dementsprechend wenig sagen kann, allerdings waren auch welche dabei, die einfach nur genial gemacht waren.
Das Ehepaar, das in unserem Kurs war, hat eine Szene aus einem Restaurant gespielt, wobei sie uns allen gezeigt hat, wie sich zum Essen einladen lässt und anschließend mit ihm darüber diskutiert hat, ob Salat nun wirklich etwas sei, dass man „eine richtige Mahlzeit“ nennen könnte. Es klingt nun nicht sehr spannend, aber der Dialog war klasse!

Als wäre das noch nicht genug gewesen, mussten wir dann noch die Prüfung des Grauens über uns ergehen lassen – eine mündliche Prüfung! ARGH!

Echt, Leute… ich bin ja schon froh, wenn ich DEUTSCH rede und mich wer versteht oder einigermaßen mit Englisch klar komme – aber Finnisch reden? Guter Witz!

Scheiß Prüfung.

Danach blühte uns dann noch eine Hörverstehensübung, die vergleichsweise einfach war. Ich meine, ich saß da und habe anders als im Unterricht das meiste verstanden! Oh, feiert!

Wir haben eben nacheinander zwei Texte angehört. Zum ersten mussten wir Fragen beantworten und beim zweiten waren Antwortmöglichkeiten angegeben und wir mussten die richtige einkreisen. War alles in allem ziemlich fair.

Die Abschlussklausur selbst war auch okay – faire Klausur, wenn ich daran denke, was die uns nicht alles hätten fragen können… argh.

Ich glaube alle (oder zumindest fast alle) haben den ersten Finnischkurs bestanden und können nun wunderbare, einfache Sätze sagen =)
Ach, und weil ja das erste, an das jeder zu denken scheint, wenn er an die finnische Sprache denkt, die Fälle/Kasus sind… ja, es gibt tatsächlich 18 Fälle im finnischen. Allerdings braucht man nicht alle, um über die Runden zu kommen…zumindest mal in unserem Fall nicht. Selbst in meinem Sprachführer sind „nur“ 15 aufgeführt. Sie sind nicht immer ganz einfach zu bilden, aber immerhin haben wir schon eine handvoll gelernt, nämlich:

Nominativ Singular und Plural, sowie den Singular des Genitivs, des Akkusativs (zumindest so mehr oder weniger) und nicht zu vergessen des Partitivs (unser aller Freund…).
Der Partitiv ist ein netter Kerl – er beschreibt laut meinem Sprachführer „Teilobjekte“, sowie „Unbestimmt Mengen“. Irgendwie ist das allerdings eine etwas schwammige Formulierung. Es stimmt zwar, dass der Partitiv bei unbestimmten Mengen genommen wird (zum Beispiel, wenn man sagt „Ich kaufe Milch“ – „Mä ostan maitoa“, dann ist „maitoa“ der Partitiv von „maito“, da man „Milch“ als Menge schlecht im Sinne von „ein Milch, zwei Milchs“ zählen kann), aber wer glaubt, das sei alles – haha – der kennt die finnische Sprache nicht. Bzw. der hat keine Ahnung von der Logik von Sprachen (die dann so ungefähr so etwas wie „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?“ und „Lieber eine Ausnahme/Regel zu viel, als eine zu wenig“ wäre ;) )

Der Partitiv wird allerdings auch dann genommen, wenn man etwas mit einer Zahl größer als eins hat – und dann fangen die ersten Verwirrungen schon an. Denn während man im Deutschen oder Englischen sagt „ein Apfel/ one apple“ – „zwei Äpfel/ two apples“, also Nominativ Plural nimmt, funkt im Finnischen der Partitiv dazwischen und man sagt „yksi omena – kaksi omenaa“. Hurra!

(Die genaue Erklärung, wann man im Finnischen nun Nominativ Plural und wann Partitiv nimmt, spar ich mir nun einmal, sonst liest das hier irgendwann gar keiner mehr…).

Zudem nimmt man den Partitiv auch noch bei der„Mulla ei ole“ (Ich habe nicht) – Struktur (wenn man allerdings sagt, DASS man etwas hat, nimmt man ihn nicht!), sowie bei bestimmten Grüßen und Ähnlichen (wie meinem Liebling „Hyvää yötä“ – gute Nacht), sowie nach einigen Verben, die ihn nach sich ziehen, wie zum Beispiel dem Verb „lieben“.

„Ich liebe dich“ heißt demzufolge „Minä rakastan sinua“, wobei „sinua“ im Partitiv steht… gut, man liebt ja bekanntlich meist auch nicht restlos alles an einem Menschen, die Finnen haben da durchaus recht ;)

So, wir haben aber natürlich auch noch weitere Fälle gelernt, nämlich unsere guten Freunde Inesiv (im (Raum), wo?), Elativ (aus (dem Raum), von wo? Woraus?), Illativ (in (den Raum), wohin?), Adessiv (auf etwas, worauf? Womit?), Ablativ (von etwas? Von wo?) und Allativ (auf, zu etwas, zu wem/was?).

Das, was da in Klammern dahinter steht soll so den groben Überblick darüber geben, für was man das ganze braucht. Im Prinzip geht es im Richtungen und Orte. Also, alles, wofür wir Worte wie „zu“, „an“, auf“, „in“ haben, klatschen die Finnen kompakt an ihr Hauptwort dran :)

Ich glaube, die finnischen Kasus haben aber vor allem die englischsprachigen Leute ziemlich schockiert. Um es mit den Worten von einem Mann aus unserem Kurs zu sagen, dessen Muttersprache Englisch ist: „Ich finde es grausam, was ihr mit euren Wörtern macht!“

Studium und Vorlesungen – oder: Der Sprachmatsch ist komplett! ^_^

Gut, der Sprachkurs ist nun rum, dafür hat nun das angefangen, wofür wir eigentlich hier sind: unser Semester! :)

In der Woche um den ersten September hatten wir vor allem eines: Einführungsveranstaltungen. So wurde JEDER der Austauschstudenten einzeln von den Tutoren vorgestellt. Und da eine ganze Menge Austauschstudenten hier sind, hat das ungefähr eine Stunde gedauert.

Ich fand es aber ganz nett, zu erfahren, aus welchen Ländern die anderen so kommen… wobei hier 50% der Austauschstudenten Deutsche sind, soll heißen, die Gefahr, dass ich meine Muttersprache hier irgendwie vergesse, ist relativ gering – es gibt genug Leute, die sie sprechen…

Nun ja, neben Deutschen sind hier natürlich noch andere Nationen vertreten. Aus Europa gibt es so aus fast jedem Land mindestens einen Studenten, aus außereuropäischen Ländern sind dann einzelne Grüppchen da. Also ein paar aus Afrika, eine handvoll aus Asien und noch einige aus Amerika.
Da die Tutoren immer alle ihre Schützlinge einzeln mit Namen, Nationalität und Studienfach vorstellen mussten, hat unsere Tutorin ein bisschen Pech gehabt – einmal davon abgesehen, dass sie eine relativ große Gruppe vorstellen musste, studierten wir auch noch allesamt die verschiedensten Fächer.

In der allgemeinen Begrüßung wurde uns auch mitgeteilt, dass wir dieses Jahr einen der kältesten Sommer in Finnland seit Jahren miterlebt hätten – angeblich sei es ansonsten im August auch in Finnland wärmer! Nett, das zu wissen.. aber wie es aussieht, bekommen wir nun einen ähnlich kalten Herbst. Ich hoffe nur, es bleibt einigermaßen trocken…

Die anschließenden Veranstaltungen befassten sich allesamt mit den einzelnen Angeboten der Uni. Wir haben hier beispielsweise unter anderem auch einen Arzt an der Uni, zu dem man gehen kann, wenn einem etwas fehlt. Für kleinere Blessuren gibt es die Krankenschwester, für größere den Arzt/Zahnarzt/Psychater und wenn das alles nicht hilft, dann schreiben sie einem auch eine Überweisung zu einem Spezialisten. Und das Beste ist: Zumindest die Grunduntersuchung beim Allgemeinarzt kostet nichts für Studenten der Universität Jyväskylä! Das ist wirklich gut, finde ich…

Mein Versuch, das letzte Mal, als ich krank war, zum Arzt zu gehen, wurde nur leider dadurch vereitelt, dass er schon geschlossen hatte, als ich kam. Meine Erkältung ist nun schon besser und ich habe auch vor, am Montag wieder in die Uni zu gehen – falls es nicht besser wird, gibt es hier eben einen exklusiven Testbericht! (immer positiv sehen… immer positiv sehen… muss aber trotzdem nicht sein…)

Ebenfalls ziemlich umfangreich ist das Sportprogramm der Uni. Neben wirklichen Kursen, bei denen Anwesenheitspflicht besteht und für die man auch noch extra zahlen muss, gibt es auch die sogenannten „Supervised Exercises“, bei denen keine Anwesenheitspflicht besteht und für die man lediglich den Sport-Sticker der Uni braucht, den es für 20€ fürs Herbstsemester gibt. Bisher haben wir zwei Kurse ausprobiert: „Bailatino“ und „Jazz Dance“.

„Bailatino“ kann man meiner Meinung mit Tae-Boe vergleichen. Bei Tae-Boe macht man eben Selbstverteidigungshiebe zu Techno-Musik, während man bei „Bailatino“ die Tanzschritte der lateinamerikanischen Tänze zu passender Musik macht.

Es ist ziemlich anstrengend und auch nicht unbedingt gerade immer ganz einfach, aber es macht tierischen Spaß!

Ich bin nur sehr dankbar, dass niemand meine kläglichen Versuche, meine schmale Hüfte im Takt zu bewegen, sieht… mal von den Tanzschritten ganz abgesehen.

Im Übrigen hasse ich Salsa. Bei dem Tanzkurs, den ich in Deutschland gemacht habe, hab ich das schon gemerkt, aber am Montag habe ich es wieder festgestellt: Dieser Tanz und ich werden niemals Freunde, so Leid es mir tut!

Die Anweisungen sind natürlich alle in Finnisch – klar, immerhin ist das eine finnische Uni und somit spricht auch die deutliche Mehrheit der Studenten in den Sportkursen Finnisch als Muttersprache.

Die Lehrerin sagt zwar wirklich wichtige Dinge auch auf Englisch, aber alle Kommandos und Erklärungen zu den Tanzschritten sind eben… finnisch.

Wobei wir immerhin Dinge wie „zur Seite“, „rechts“, „links“, „runter“, „hoch“ verstehen und man sowieso immer schauen muss, was die Lehrerin gerade macht… also, es geht schon ^_^

Und wie gesagt: Es macht unglaublichen Spaß!

Weniger Spaß hat mir da der „Jazz Dance“ gemacht. Das war… ich weiß nicht… eine Art von modernem Ballet?

Keine Ahnung, aber wenn irgendwer gewollt hätte, dass ich Ballet tanze, hätte er mir einen zarten, fehengleichen Körper mit der entsprechenden Grazie und die passende Motivation gegeben. Da dem nicht so ist – nee, auf Wiedersehen, Jazz Dance!

So. Und nun möchte ich einmal das Gerücht klären, dass das ERASMUS-Jahr im Ausland das Party- und Faulheitsjahr sei, was das Studium angeht.

Das mag vielleicht für alle anderen stimmen – für Anne und mich nicht.

Wir haben jeden Tag Uni – okay. Aber wir haben 24 Stunden in der Woche!

Das ist mehr als ich jemals in Konstanz hatte!

Das Problem ist eben, dass wir 30 Credits am Ende des Semesters vorweisen können müssen, nur dann wird uns das Auslandssemester anerkannt und unser Modul (5 oder welches es auch immer ist, ich hab es nicht so mit Zahlen) gilt als bestanden.

Gott sei Dank haben wir mit dem Finnischkurs im August nun schon 5 Credits, ansonsten hätten wir NOCH mehr zu tun.

Nun ja, aber einmal von der Masse unserer Vorlesungen abgesehen – die Vorlesungen, die ich habe scheinen ganz interessant zu sein (und die von Anne auch, wenn ich sie recht verstanden habe).

Der beste Kurs, den ich belege, ist „What is a word“ – nicht aufgrund des Inhalts, sondern allein wegen dem Namen! Jeder, der schon einmal eine Vorlesung bei Franz Pimpin’ P. hatte, weiß, was ich damit meine (ich habe gerade ein seltsames Déjà-vue, was meine Vorlesungen in Morphologie und SHE II angeht….).

Oh, allerdings haben wir auch einen ziemlich… sinnfreien Kurs. Genannt: Schwedisch.

Um ehrlich zu sein hatten wir uns auf diesen Kurs gefreut. Hey, wir sind Sprachwissenschaftler, uns kann man mit Sprachkursen glücklich machen!

Nun hatten wir zwei Kurse (bzw. ich nur einen, weil ich ja dann krank wurde – Froide) und wir können immer noch… nichts. Ich fand es schon verstörend, dass ich nach der ersten Vorlesung noch nicht einmal „Hallo“ auf Schwedisch sagen konnte, sondern nur wusste, dass wir die Klausur an Mamas Todestag schreiben (oh ja, das war ein wirklicher Stimmungsaufheller), aber als Anne nach der zweiten Vorlesung kam und meinte, sie könnte nun sagen „Ich heiße Anne – Wie heißt du?“ und zwar auch nur, weil eine aus dem Kurs explizit nachgefragt hat – das lässt mich doch ein bisschen an dem pädagogischen Ansatz zweifeln. Okay, sie haben Vokale ausgesprochen in der zweiten Vorlesung. (das Rechtschreibeprogramm schlug mir gerade „ausgebrochen“ vor… na, ich hoffe mal, dass sie das nicht gemacht haben…. Ehw.)

Oh, wow, Vokale aussprechen! Ich bin begeistert!

Nun ja, da hatte ich nach dem Finnischkurs nun schon so hohe Erwartungen an die Sprachkurse hier, da ich nach wenigen Tagen Kurs mehr sagen konnte als nach einem Semester Sprachkurs in Konstanz (Ich sag nur Katalanisch… haha…) und dann so etwas.

Es hilft auch nicht wirklich, dass die Lehrerin relativ schlecht Englisch spricht und uns in der ersten Stunde fragte, ob sie die Worte auch auf Finnisch übersetzen könne und ob wir das dann verstünden. Ja, haha, das ist ein Kurs für international students und nein, die können allesamt kein Finnisch! Der Witz an dem Kurs ist ja, dass er auf Englisch ist… ansonsten hätte ich auch den Japanischkurs auf Finnisch belegen können….

Naja, aber neben Schwedisch haben wir natürlich noch den „Suomi 2“-Kurs :)

Finnisch ist eine tolle Sprache! Ich kann sie zwar nicht sprechen, vergeig das mit der Betonung immer noch, kann viel zu wenige Vokabeln und schreibe pro Satz mindestens ein Wort falsch – aber die Sprache gefällt mir wirklich gut! :)

Also – wenn der Wille zählt, ist das ja auch was! ;)

Meine Vorlesungen sind im Übrigen auf Englisch und nicht auf Finnisch. Ja, ich hatte zwar nun einen Sprachkurs, aber mit Vokabular, mit dem ich vielleicht sagen kann, dass ich morgens Brot essen und Tee trinke (was nicht ganz stimmt, da ich morgens Müsli esse – aber die Vokabel kenne ich nicht…), kann ich noch keine Vorlesungen zu mehr oder weniger komplexen sprachwissenschaftlichen Themen besuchen.

Und um auf die Überschrift dieses Absatzes zurückzukommen – ja, der Sprachmatsch ist so langsam komplett. Ich spreche tagsüber fast ausschließlich Englisch, spreche zu Hause dann Deutsch und höre und sehe überall nur Finnisch – aus das bestsortiertste Gehirn kommt da wahrscheinlich irgendwann einmal durcheinander!

Ähnlich wie in Konstanz gibt es hier auch das Vorlesungsverzeichnis im Internet. Das ganze nennt sich Korppi und ist so der Dreh- und Angelpunkt für das Studium hier. Dort meldet man sich für Vorlesungen an, ab, sieht die Wochenübersicht an Vorlesungen, kann die schon erbrachten Leistungen ansehen, dort findet man, in welchen Räumen die verschiedenen Vorlesungen stattfinden, wann und ob sie ausfallen und lauter solche Dinge.

Zu Beginn des Semesters ist Korppi natürlich sehr gut besucht, da ein jeder seinen Stundenplan zusammenstellen will/muss.

Wenn der Server überlastet ist, kommt die beste Fehlermeldung, die ich jemals gelesen habe!

Frei übersetzt lautet die so ungefähr: „Korppi ist im Moment vollkommen überfüllt. Es tut nichts zur allgemeinen Besserung des Zustands bei, wenn du nun ein und dieselbe Seite wieder und wieder neu lädst!“ – Genial! =D

Eine Sache, die noch aussteht, ist unsere Studentenkarte. Irgendwann bekommen wir eine. Vielleicht.

Bisher haben wir nur ein weißes Blatt Papier auf dem eben draufsteht, dass wir Studenten sind (das ist wichtig, ansonsten bekommt man keine Rabatte und auch nicht das billigere Essen in den Mensen hier). Irgendwann soll dieses Blatt Papier dann auch noch durch die Studentenkarte ersetzt werden. Wann genau, das weiß so nun keiner, aber wir sind alle optimistisch, dass wir die Karten eventuell sogar bekommen, bevor wir wieder nach Deutschland gehen.

Home sweet home – der Alltag in Myllyjärvi

Inzwischen wohnen wir nun schon ein einhalb Monate in unserer Wohnung im Studentenwohnheim und ich würde behaupten, dass wir uns inzwischen wirklich eingelebt haben. Die Anwohnerliste im Erdgeschoss ist nun auch aktuell, soll heißen, ein jeder, der unser Gebäude betritt, sieht nun wer wo mit wem wohnt ^_^

Der erste Staub lässt sich inzwischen auch sichtbar auf meinen Regalbrettern nieder und taucht sie in ein zartes grau – ich fühle mich also hier ganz wie zu Hause in meinem Zimmer!

Die Deko in unserer Wohnung hält sich in Grenzen, aber zumindest eine Kerze und ähnliches haben wir uns geleistet.

Und ich bin ja auch gar stolz auf meine Wall of Fame, die inzwischen zehn Postkarten (eine von Kiri und Milli, eine von Lotti, eine von Keira, zwei von Ricki, zwei von Manu und drei, die ich mir auf der Animagic mit Keiras Beratung selbst gekauft habe) und vier Fotos (von Alex, Mama und mir, Ann-Kathrin und Ricki, Manu und mir) zählt. Die Wand ist die, an der auch mein Bett steht, soll heißen, ich habe so das Wichtigste also immer im Blick ;)

Ansonsten… unsere Möbel sind immer noch rotzgelb und der Ofen in der Küche sieht nach wie vor aus, als würde er uns irgendwann entgegen kommen. Wir haben inzwischen aber schon Auflauf und Pizza drinnen gemacht und sowohl der Ofen als auch wir haben es überlebt.

Ich denke, ich habe schon einmal von dem Limit erzählt, das wir hier auf den Datentransfer haben, was das Internet angeht. So wie es aussieht, sind es mehr als 1 GB (nämlich… 3 GB?). Wirklich wichtig, sich das zu merken, ist es auch nicht, da es eine schlaue Internetseite gibt, auf der man nachschauen kann, wie viel Prozent man von seinem 24-stündigen Datentransfer schon genutzt hat.

Bisher habe ich es allerdings nur ein einziges Mal geschafft, das Limit zu überschreiten. Selbst wenn ich einige Stunden alle drei Messenger, die ich besitze, angeschaltet habe und nebenher noch mit irgendwem über Skype rede, schnellt das nicht so extrem in die Höhe, wie ich zuerst gefürchtet hatte. (Was nun nicht heißt, dass ihr mir alle riesige Dateien schicken sollt!!).

Wenn man das Limit überschreitet, wird das Internet unglaublich langsam… ich glaube, es hat dann die Geschwindigkeit eines Internets, das via Modem verbunden ist. Also, Top-Speed, man kann nebenher kochen, duschen, fegen, lesen, abwaschen, Wäsche zusammenlegen….

Das einzig gute ist, dass diese Quote jeweils auf die letzten 24 Stunden zurückgerechnet wird. Soll heißen spätestens nach 24 Stunden hat man wieder Internet der normalen Geschwindigkeit und somit nicht das Gefühl, man müsse es anschieben.

Im Übrigen: Ich liebe Skype, ganz ehrlich. Ich hab damit nun schon einige angerufen (darunter auch Leute wie Kah oder meine Oma, mit denen ich nicht über Internet kommunizieren kann) oder einfach von Skype zu Skype telefoniert (eine stundenlange Videokonferenz mit Manu war zum Beispiel der beste Beweis dafür, dass Webcam nun nicht sooo viel Datentransfer braucht, als dass es mein Limit killt).

Zudem liebe ich mein Headset – es war billig und hat einen wunderschönen Klang. So kann ich meine Musik wenigstens richtig gut und richtig laut hören. Anne wäre wahrscheinlich weniger begeistert, wenn ich meine Musik hier auf voller Lautstärke laufen ließe – ganz zu schweigen von unseren Nachbarn, die mich wahrscheinlich steinigen würden.

Ich fürchte allerdings auch, dass mein Fienchen (mein Laptop, und ja, er hat einen Namen) da auch nicht mitspielen, sondern einfach ihre Boxen zerstören würde…

Nur muss ich mich wirklich aktiv davon abhalten, laut mitzusingen… dann würden mich Anne und/oder meine Nachbarn nämlich wirklich töten!

Das Waschen hier in Myllyjärvi ist eigentlich ziemlich einfach. Man muss nur daran denken, sich rechtzeitig in einen Plan einzutragen. Hier in Myllyjärvi stehen sechs Gebäude (A bis F, wobei B ja wie erwähnt renoviert wird und deswegen nicht bewohnt ist) und in zwei – A und F – befinden sich Waschmaschinen. Anne und ich gehen aus Gründen der Bequemlichkeit immer nebenan in F waschen.

Dort stehen zwei Waschmaschinen und ein Trockner, außerdem gibt es noch zwei Waschbecken für Handwäsche, sowie einen Trockenraum.

Man kann Waschmaschinen und Trockner jeweils für eine Stunde buchen – das Wasch- und Trockenprogramm dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde, von daher passt das dann gerade.

Die Nutzung der Waschmaschinen ist kostenlos, lediglich Waschpulver muss man selbst mitbringen.

Netterweise gibt es die Bedienungsanleitung zu den Waschmaschinen auch in Englisch – anders als die für den Trockner, die es ausschließlich auf Finnisch gibt. Sehr praktisch… wirklich dahintergestiegen, was die uns mitteilen wollen, sind wir noch nicht. Wir wählen nun einfach immer 45 Minuten Trocknen auf Stufe „keskus“ („Mitte“) aus… sowieso trocknen wir nur unsere 60°-Wäsche, das andere Zeug wie Pullover und T-Shirts kommt in den Trockenraum.

Dort hängen mehrere Wäscheleinen, auf denen man meist auch noch irgendwo Platz findet, wenn nicht manche Leute nicht einsehen, dass es keine gute Idee ist, seine Wäsche quer über zwei zu hängen… (und sorry, dass nun wieder Stereotype gefüttert werden – aber der Jeans nach zu urteilen war es ein Mann…).

Zusätzlich hat es in dem Raum auch noch einen Ofen, den man bis zu 4 Stunden laufen lassen kann und der den Raum schnuckelig warm und die Wäsche wunderbar trocken macht ^^

Bisher wurden mir auch noch keine Kleidungsstücke entwendet. Ich hoffe einfach mal darauf, dass es hier kein diebisches Mädel gibt, das meine Größe und Klamottengeschmack hat.

Die Bauarbeiter auf der Baustelle in Gebäude B sind im Übrigen ein wenig schräg – als ich letzt abends bei Katja war und wir Film geschaut haben, brannte da doch gegen elf Uhr nachts tatsächlich das Licht und jemand hat gearbeitet! Manchmal hat man nachts auch den Bagger gehört… komisch Menschen.

Wegen unserer Heizung haben wir nun inzwischen einmal bei KOAS nachgefragt und die meinten, dass es Absicht sei, dass man die Heizungen nicht regulieren könne – sie hätten aber einen Temperaturfühler innen und würden automatisch anspringen, wenn die Innentemperatur unter 20°C fiele.

Mehr als lauwarm habe ich die Heizung hier aber nach wie vor nicht erlebt, selbst wenn wir die Balkontüre in der Küche aufreißen (korrigiere: wenn Anne die Balkontüre in ihrer geheimen „Lass uns Julia an ihrem Schreibtischstuhl festeisen“-Mission aufreißt…).
Spätestens bei Minusgraden werden wir erfahren, was an der Geschichte mit der Heizung dran ist…

Ach, und hier ist es nun auch nicht viel lauter als zuvor ^^ Abends bekommt man es manchmal noch mit, wenn hier irgendwer meint, er müsse sehr viel du sehr lauten Spaß mit einigen Freunden haben, aber ansonsten hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Abwarten, ob das auch so bleibt….

Und ich glaube, Anne findet es erstaunlich, wie oft am Tag ich mich irgendwo stoße. Sie meinte, sie hört andauernd nur ein Scheppern oder einen dumpfen Schlag und mich anschließend fluchen! …bin ich wirklich so schlimm? Es würde zumindest die ganzen blauen Flecke erklären…

Gestern ist im Übrigen die zweite 1kg-Packung Zucker zur Neige gegangen… nur um Annes letzten Eintrag einmal zu aktualisieren ;)

Ab nach draussen! (It is cooold in Finland, it is coooold~)

Sollte sich jemand über den Text in den Klammern wundern – das ist der neue Megahit, den Anne und ich hier getextet und komponiert haben. Aufgrund seiner unglaublich wahren Aussage und seiner schonungslosen Direktheit kombiniert mit der minimalistischen Melodie schafft er so eine Art Musik gegen die Björk einstecken kann!

Eh, ja, aber eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes erzählen.

Wie schon angedeutet ist es KALT hier. Wirklich richtig ekelig kalt.

So kalt, dass ich mir wünschte, ich hätte Handschuhe und eine Mütze und wenn ich freiwillig eine Mütze aufziehe, dann muss es wirklich kalt sein!

Hm, okay, vielleicht übertreibe ich aber auch gerade ein bisschen… in Wahrheit ist es nämlich so kalt wie es die letzten Tage in Deutschland war – also Temperaturen um die 7 – 9°C…alles in allem also nicht wirklich kuschelig.

Das, was am widerlichsten ist, ist aber der Nordwind, der hier ab und zu noch weht… als sei es nicht schon kalt genug für September…

Zudem wird es hier immer schneller dunkler. Als wir im August ankamen, war es noch richtig lange hell. Gegen zehn oder halb elf Uhr nachts war die Umgebung selbst zwar schon dunkel, der Himmel hat aber immer noch im Licht der Dämmerung geleuchtet. Wunderschöner Kontrast mit den tiefschwarzen Bäumen davor…

Im Moment ist es aber so, dass es gegen acht schon ziemlich dunkel ist. Und mit jedem Tag beginnt es etwas früher zu dämmern…

Und fragt nicht, wann wir das letzte Mal Sonne gesehen haben. Anfang September war mal eine Woche, in der es wirklich sehr warm (heißt: subtropische 16°C) war – da hat dann auch die Sonne geschienen.

In letzter Zeit herrscht aber den ganzen Tag graues Depressionswetter und es ist bewölkt. Wobei das mir immer noch lieber ist als Regen (wie ich mein Glück kenne, regnet es am Montag und ich darf dann wieder den überteuerten Bus nehmen).

Die Lebensmittel hier sind immer noch nicht billiger geworden. Aber gut, ich glaube, das überrascht auch keinen.

Anne und ich haben uns mal überlegt, ob wir unseren Vätern nicht einfach die Kassenzettel zuschicken sollten – aber wahrscheinlich glauben die uns auch so, dass es nicht ganz billig ist.

Nun ja, aber da wir uns die Kosten für Lebensmittel, von denen wir beide essen, teilen, wartet nach dem Einkauf immer eine sehr lustige Disziplin auf uns: Auseinanderklamüsern, wer was gekauft hat, wer was zahlen muss, was für beide war und das dann durch zwei Teilen.
Das Ganze wäre natürlich geringfügig einfacher, wenn die Artikel auf dem Kassenzettel nicht auch auf Finnisch genannt wären

Aber wir wissen uns ja zu helfen: Alles, was wir mit unseren Finnischkentnissen und dem Online-Wörterbuch nicht herausfinden, geben wir einfach in die Google-Bildersuche ein.

Es ist erstaunlich, wie einfach diese Methode ist und wie brauchbar die Ergebnisse!

Was vielleicht weniger überrascht ist, dass man hier keine Klöße kaufen kann. Aber dass selbst der Lidl hier keine Klöße (Semmelknödel oder Kloßteig – nichts!) hat, war schon extrem traurig. So haben Anne und ich eben Kartoffelbrei zu unseren Nürnberger Rostbratwürstchen gegessen… und Rotkraut. Wobei Anne das alleine essen durfte…

Ein bisschen traurig ist es allerdings schon, dass wir so wenig Finnisch können. Die eine Kassiererin hier im Siwa um die Ecke versucht immer mal wieder, uns irgendetwas zu erzählen und vom Tonfall her klingt es auch sehr nett – wir verstehen nur leider kein Wort.

Im Allgemeinen ist es niedlich, wie sehr sich der durchschnittliche Finne freut, wenn irgendein Ausländer da einen wenig anspruchsvollen Satz auf Finnische zusammenstammelt!

In dem einen Café hat mir die Kassiererin sogar mein Rückgeld vorgezählt, damit ich die Zahlen lerne!

Was allerdings immer noch ein seltsames Eigenleben führt, ist die Post hier. Ich habe vor geraumer Zeit etwas bei Amazon Deutschland bestellt, damit ich was Deutsches (!) zu lesen habe und das ist immer noch nicht angekommen… ich habe allerdings auch keine Nachricht, dass es in Keltinmäki liegt und da vor sich hinrottet. Sehr seltsam.

Ich bin mir auch immer noch nicht sicher, ob das mit den zwei bis drei Werktagen für einen Brief stimmt. Von den Postkarten, die ich verschickt habe, ist alleine die an meinen Bruder nach zwei Tagen angekommen (Power-Post!!), die an Ricki hat beispielsweise über eine Woche gebraucht… und der Rest hängt vielleicht immer noch irgendwo dazwischen, wer weiß das schon so genau…

Ich hoffe nur, dass sie meinen Wahlschein rechtzeitig zustellen. Denn ja, in Überlingen ist am Sonntag Oberbürgermeisterwahl und ich habe per Briefwahl teilgenommen (gesetzt dem Fall, das Ding nimmt nicht den Weg über den Nordpol, Alaska, Amerika, rüber nach Afrika, quer durch die Sahara, durch die arabischen Emirate, quer durch die Länder, deren Namen ich nicht auswendig weiß, die aber irgendwo zwischen dem Iran und der Tschechischen Republik liegen, ein Schlenker nach Österreich, Italien, Frankreich, Irland und dann auf dem Seeweg nach Deutschland. Dann ist der Wahlschein nämlich erst nach mir wieder in Deutschland).

Mit der Auswahl des Kandidaten, den ich wähle, habe ich mich etwas schwer getan.

Zur Auswahl standen fünf Kandidaten. Zum einen der bisherige Bürgermeister (oder Oberbürgermeistervertreter… wie man das auch immer nennt, was weiß ich), dann die Bürgermeisterin von Meersburg, noch ein Bürgermeister von irgendeiner anderen Stadt, ein Überlinger Rechtsanwalt, den ich sogar flüchtig kenne, da er in der Feuerwehr ist, und ein Geschäftsführer von sonst wo mit einem gut gemachten Flyer mit Eigenwerbung.

Ja, nachdem ich nicht so wirklich wusste, was tun, habe ich mich hingesetzt, mir die Internetseiten von den einzelnen Bewerbern rausgesucht und zusätzlich auch noch so ziemlich alle Artikel im Südkurier online gelesen, die ich finden konnte, um mir eine Meinung zu bilden.

Ziemlich schnell hatte ich dann auch schon den ersten aussortiert. Bei Nummer zwei brauchte ich dann schon etwas länger, bis ich auf das stieß, was den Bewerber unweigerlich für mich ins Aus schob.

Nummer drei war dann auch irgendwann gefunden… aber am schwersten tat ich mir bei der Entscheidung zwischen den letzten beiden. Letztendlich hab ich mich dann einfach auf mein Bauchgefühl verlassen.

Wenn mein Vater Recht hat, muss es sowieso noch einmal eine zweite Wahl geben, dann kann ich mir dann ja noch einmal Gedanken machen.

Wenn wir gerade bei offiziellen Sachen sind. Seit heute bin ich offiziell registrierte Bürgerin von Jyväskylä! :)

Natürlich nicht dauerhaft, aber immerhin bis Ende Dezember bin ich hier beim Polizeirevier angemeldet.

Das Beste daran ist, dass uns die Unterlagen hierher geschickt werden – endlich einmal wieder Post, die KEINE Werbung ist, hurra!!!

Ach, und ich will nie mehr etwas von den Werbemassen in Deutschland hören, ja? Hier kommt tagtäglich Werbung und meist auch mehr als ein Prospekt!

Bei Dingen wie Lidl, Anttilla oder Prisma ist es sehr praktisch… Dinge wie Kataloge für eine Markt, der kilometerweit am anderen Ende der Stadt ist, oder für eine Markt ähnlich Obi, der Farbe, Werkzeug und Zelte für Autos verkauft, bringen uns natürlich weniger.

Oh, und heute kam ein Telefonbuch. Also hätten wir ein Telefon und würden hier irgendwen mit Festnetzanschluss kennen, dann könnten wir telefonieren!

Kino und Karaoke :)

Nur zusammengefasst, weil mir die Alliteration gefallen hat – oh ja, sieben Jahre Lateinunterricht prägen!

Das wirklich Gute an Finnland ist, dass die Filme hier nicht synchronisiert sind. Aufgrund der Einwohnerzahl lohnt es sich auch nicht…. Wir profitieren davon, da wir hier auch einmal ins Kino gehen können und den Film sogar verstehen!

Kino ist hier relativ teuer, soweit ich das mitbekommen habe… wir haben nun eben zweimal den „Super Päivä“ (Supertag) im Kino ausgenutzt, der einmal im Monat ist und an dem jeder Film nur 5€ kostet.

Im August habe ich meine Chance genutzt und bin zusammen mit Katja in „Star Wars – The Clone Wars“ gegangen.

Oh, und ich war begeistert! Vielleicht liegt es daran, dass ich schon ewig kein Star Wars mehr gesehen habe… vielleicht auch an meinem Bruder, der mir mit Hörspielen und DVDs den Mund wässrig gemacht hat… eventuell spielte auch der Film eine nicht unwesentliche Rolle.

Jedenfalls hatte ich sehr viel Spaß und habe mich gefreut, Skywalker und Co wieder zu sehen. Ein bisschen traurig war ich nur, dass es dieses Mal am Anfang keinen Text gab, der schräg ins Bild geflogen kam…

Bei den Filmen läuft im Übrigen Untertitel mit – und zwar nicht nur der Finnische, sondern gleichzeitig auch noch der Schwedische, da Schwedisch ja ebenfalls eine offizielle Sprache in Finnland ist.

Mich störte der Untertitel aber nicht wirklich – wahrscheinlich haben mich die unzähligen Animes, die ich mit Untertitel gesehen habe, geprägt.

Und ich weiß, dass es eigentlich ziemlich dämlich ist, darüber zu lachen – aber im Finnischen gibt es ja wie schon erwähnt mehrere Fälle, durch die man sein Nomen und auch Namen von Personen jagen kann. Ist im Deutschen zumindest im Genitiv nicht anders, da wird aus „Anne“ auch „Annes“. Nur sind die Finnen etwas kreativer…. Und so fand ich es wirklich amüsant, Sachen wie „Obi-Wan Kenobille“ oder „Skywalkerille“ zu lesen. Das gibt den Namen einen ganz neuen Charme.

Den Super-Päivä im September, der übrigens letzten Donnerstag war, habe ich dazu genutzt, mir mit Jenny „Wall-E“ anzuschauen.

Ich glaube, es gab selten einen Film, über dessen Handlung ich dermaßen wenig wusste, wie übe diesen. Dementsprechend neugierig ging ich da rein, weil ich mir auch nicht wirklich vorstellen konnte, was genau die Handlung des Filmes darstellen sollte.

Ich muss sagen, dass ich ihn im Allgemeinen wirklich nett fand. Am Anfang dachte ich ja noch „Okay, das ist ja ganz nett, aber das nun zwei Stunden lang? Oh mein Gott…“, zumal auch wirklich nichts gesprochen wurde.

Später wurde es dann aber noch richtig lustig. Die Aussage des Filmes war nun zwar nicht gerade das neuste von allen, aber sie war unglaublich charmant verpackt und hat Gott sei Dank auf die erhobene-Zeigefinger-Moral verzichtet. Was schon eine ganze Leistung ist, wenn man bedenkt, dass die menschlichen Protagonisten eigentlich nur das Nichtstun, den Konsum und das Sich-berieseln-lassen kannten.

Der Roboter EVA war mir ziemlich sympathisch, wobei nichts M-O übertrifft! Der arme kleine Kerl, der den ganzen Film über eigentlich nichts anderes als geputzt hat…

Die defekten Roboter waren aber auch eine Klasse für sich… im Allgemeinen mochte ich den Humor und die Ironie des Filmes…

Meiner Meinung kommt er nicht an Rattatouille heran – aber zum Anschauen und zwei Stunden nett finden, langt er doch allemal! Ich hatte jedenfalls Spaß an ihm.

Oh, und dann kommen wir gleich zum zweiten Thema dieses Absatzes: Karaoke.

Wer bisher dachte, Japan sei das Land des Karaoke, der irrt. Hier in Finnland ist Karaoke DER Hit! Es gibt unzählige Karaoke-DVDs zu kaufen und wir haben unseren Weg dann auch unweigerlich in eine Karaoke-Bar gefunden.

Dazu muss gesagt werden, dass die Finnen Karaoke richtig ernst nehmen! Irgendwie haben wir das ganze als Riesenspass angesehen und es vielleicht nicht ganz ernst genommen…

Im Klartet: Wir sind ziemlich herausgestochen unter den paar Finnen, die in der Bar waren.

Die Bar selbst hatte je einen Ordner mit englischen und einen mit finnischen Liedern, die man auswählen konnte.

Um sich zum Singen anzumelden, schrieb man dann seinen Namen auf einen Zettel, setzte die Nummer des Liedes drunter du wartete, bis man vom Barkeeper aufgerufen und auf die Bühne gebeten wurde.

Ohohoho, wir hatten einen Spaß!

Nun gut, aber wirklich nur wir – die Finnen selbst haben dazu geneigt, tiefdepressive Balladen zu singen. Der einzige Satz, den wir bei dem einen Lied verstanden haben, bedeutet übersetzt „Mein Leben ist hässlich“ – so gesehen bin ich ganz froh, dass ich den Rest des Liedes nicht verstanden habe. Bei so viel Dramatik wird ja selbst die Cola sauer…

Noch dazu sah der Mann so kläglich aus… als wäre sein Hund gestorben, seine Lieblingsjeans in der Wäsche eingegangen, seine 14-jährige Tochter zum zweiten mal schwanger, sein einer Sohn drogensüchtig, der andere seit zehn Jahren im Gefängnis und zudem hätten ihn gleichzeitig dann auch noch Frau und Geliebte verlassen.

Armer Kerl. Ich hoffe, er hat einfach nur gut geschauspielert.

Nun, unsere Lieder waren aber etwas fröhlicher. Ich selbst habe mich sogar auch auf die Bühne gewagt – allerdings nur in Begleitung von Jenny und Leonie (die dann ihrerseits noch einmal zwei weitere mit auf die Bühne gezerrt haben), da ich dem Publikum nicht meine Solostimme zumuten wollte. Wir haben dann „Mamma Mia“ von ABBA zum Besten gegeben – und ich weiß nicht, wie es geklungen hat, aber wir hatten das Publikum auf unserer Seite! :)

Highlights des Abends waren aber andere… hier die Top drei in umgekehrter Reihenfolge (ich bin geschädigt von den Jahren, in denen ich VIVA und MTV gesehen habe…):

Platz drei: „Like a Virgin“:

Um ehrlich zu sein: Es war grauenhaft! Die drei Kerle auf der Bühne haben leider erst während dem Lied gemerkt, dass das selbige auch Strophen hat, deren Melodie sie allerdings nicht kannten. Alle drei gaben aber nicht auf und improvisierten – jeder für sich selbst etwas vollkommen anderes als die übrigen zwei und das dann alle zusammen – aber es war dermaßen grottig, dass es schon wieder richtig lustig war! Das Singtalent fehlte vielleicht, aber das Showtalent hatten sie…

Platz zwei: „R-A-K-A-S“

Das finnische Lied, das wir im Sprachkurs angehört haben und das ich auch hier im Blog in einem der früheren Einträge verlinkt habe! Wieder einmal merkten die beiden auf der Bühne erst auf der Bühne, dass das Lied Strophen hat, deren Text sie nicht können (nein, dieses Mal lag es nicht an der Melodie, sondern an der geballten Masse finnischer Wörter), dafür hatten sie das Publikum auf ihrer Seite. Nun gut, zumindest einmal den Teil, der aus Austauschstudenten bestand. Die Finnen haben nur etwas komisch geguckt und sich wahrscheinlich gefragt, seit wann das Lied einen chinesischen Text hat…

Wir als Publikum haben unser bestes gegeben und die Sängern tatkräftig mit „R-A-K-A-S!“ und „Lalalalala!!!“ unterstützt…. Es war aber wahrscheinlich ähnlich schrecklich wie „Like A Virgin“, ich kann es leider nicht mehr sagen, da ich vor Lachen fast erstickt bin.

Platz eins: „I Want It That Way“

Oooooh, die Erben der Backstreet Boys waren zu Gast in der Karaokabar und haben sich in die Herzen aller anwesenden Mädchen gesungen. Besagte Mädels haben sich dann sofort nach Ankündigung des Liedes, Barhocker und Kameras geschnappt und haben die Fanbase direkt vor der Bühne aufgebaut.

Das Gute war dieses Mal, dass die Sänger auf der Bühne sowohl Text als auch Melodie des Liedes kannten. Wobei das Publikum sowieso so laut mitgesungen hat, dass es auch keinen Unterschied gemacht hätte, selbst wenn sie das nicht gekannt hätten.

Die Kontroverse „Fast Food“ in Finnland – oder: Irgendwelche total belanglosen Geschichtchen zum Schluss, da dieser Eintrag sowieso schon viel zu lang ist

Es würde wirklich nicht andauernd in irgendwelches Marathon-Schreiben auf meiner Seite und Marathon-Lesen auf der anderen resultieren, wenn ich öfter kleinere Einträge schriebe… nun ist es aber auch schon zu spät…

Dank der allgemeinen Globalisierung gibt es auch hier in Finnland Mac Donald’s – wie sollte es auch anders sein?

Hier muss dann gleich einmal eingeworfen werden, dass ich glaube, dass die Finnen eine nicht erklärbare (und wahrscheinlich auch nicht ganz gesunde) Liebe zu Mayonnaise haben. Wir waren bei der finnischen Variante des Mac Donald’s – Hesburger – essen und es war zwar gut… aber sehr mayonnaiselastig. Das Gleiche gilt für die Cheeseburger hier im Mac Donald’s… wer Probleme mit Mayo hat, sollte sich besser an eine große Portion Pommes oder ähnliches halten…
Aber was mich wirklich und eigentlich überrascht war, war die Arbeit der Mitarbeiter des Mac Donald’s. Ich kenne bisher nur die Szenerie aus Deutschland – viele Leute hinter dem Tresen, viele Leute vor dem Tresen und hinter dem Tresen geht es zu wie in einem Bienenkorb.

Alles geht schnell, alles geht fix, damit die Schlange an Kunden schnell ihr Essen bekommt und Ruhe gibt.

Hier ist die Szenerie etwas anders. Wer zu Mac Donald’s geht, braucht zuerst mal ein bisschen Zeit, denn egal, wie sehr sich die Kunden stauen, die Mitarbeiter dort bringt mal so schnell nichts aus der Ruhe. Alles, was man in fünf Sekunden erledigen könnte, geht wunderbar auch in zehn.

Ich bin hin- und hergerissen von Bewunderung ob der Coolness oder leichter Verstimmung auf Grund der Tatsache, dass man sich da leicht die Beine in den Bauch steht.

„Fast Food“ ist wirklich etwas anderes…

Aber im Allgemeinen ist es erstaunlich, wie viele Jugendliche einfach im Mac Donald’s essen und danach noch ewig sitzen bleiben, als seien sie gerade im Café. Nicht, dass es mich stört, ich wunder es nur ein bisschen, da man sich zu Hause eher sein Essen krallt und irgendwo anders verspeist oder zumindest nicht ewig im Mac Donald’s rumsitzt. Für ein gemütliches Treffen mit Freunden würde ich persönlich auch eher ein Café wählen, aber vielleicht bin ich auch schon zu alt und zu spießig, um die finnische Jugend zu verstehen…

Oh, wenn wir gerade beim Thema „Essen“ sind: Wir haben einen Ort gefunden, an dem man billig viel Essen kann: eine Pizzeria in der Stadt.

Dort gibt es riesige Pizzen für sechs bis sieben Euro. Salat zum Essen, Kaffe oder Tee danach und Alufolie zum Pizza einpacken und mitnehmen inklusive.

Wir waren dort bisher dann zweimal essen und es schmeckt wirklich lecker – ist natürlich aber auch nichts für die schlanke Linie und viel zu viel für mich.

Selbst wenn ich in der Pizzeria viel esse, schaffe ich die Portion, die ich dann noch übrig habe, nicht alleine bei der nächsten Mahlzeit.

Die Pizza, die ich das erste Mal gegessen habe, fand ich interessant: Das war Pizza mit Tomaten und Käse, darauf war dann Mozarella und darauf noch einmal Fetastückchen.

Sehr lecker, vor allem, wenn man aufgrund der Preislage ein bisschen auf Käseentzug ist, aber auch sehr sättigend. Ich habe insgesamt dreimal davon gegessen und das letzte Mal war sogar noch ein Stückchen über, das ich Anne andrehen konnte.

Bevor ich nun endlich diesen Eintrag beende (ich bin hier auf Word gerade auf Seite 14… warum laber ich eigentlich immer so viel?), noch eine Sache, die mir Sorgen bereitet.
Ich habe nun seit Montagabend mein Fahrrad nicht mehr gesehen, da ich nicht mehr mit ihm gefahren bin… ich hoffe inständig, dass es noch da ist, wo es sein soll – nämlich im Schuppen!

Jedenfalls hat das gute Stück nun auch einen Namen! Ich mag es, meinem Zeug Namen zu geben und da mein Fahrrad und ich noch den finnischen Winter vor uns haben, hat es alles Recht auf einen Namen…

Nach reiflicher Überlegung haben Jenny, Katja und ich dann nachts um zwei Uhr morgens vor den Wohnheimen in Myllyjärvi unsere Fahrräder mit dem heiligem Wasser aus der CocaCola- und Volvic-Flasche getauft.

Jennys Fahrrad hört nun auf den klangvollen Namen „Ruby Racer“ (es ist weiß und hat tatsächlich Streifen in einer Farbe, von der ich glaube, dass es einmal rot gewesen sein könnte), während Katjas „Sparky“ getauft wurde.

Aufgrund meiner unglaublichen Kreativität heißt mein Fahrrad nun „Luke Skyroller“ – möge die Fahrradmacht mit ihm sein und Rost, lockere Schrauben, sonstige Schäden und Diebe von ihm fernhalten!

Sodele, das wäre nun wirklich einmal das neuste vom neusten und auch gerade das, an das ich mich so spontan erinnere.

Ein jeder, der es bis hier geschafft hat, bekommt einen Keks und darf sich gehuldigt fühlen (natürlich nur, wenn er auch alles gelesen hat – einmal drüberscrollen gilt nicht, das ist schon klar!).

Ich werde mich nun ins Bett begeben und versuchen, meine Erkältung wegzuschlafen.

Ich wünsch euch was und drückt mir die Daumen, dass ich es in Zukunft schaffe, öfter zu posten, damit mir und euch so etwas hier erspart bleibt! ;)

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Sokeria

Wir sind jetzt seit genau drei Wochen in Jyväskylä.

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es am zweiten oder dritten Tag nach unserer Ankuft war, aber auf jeden Fall haben wir vor knapp drei Wochen ein Paket Zucker gekauft. Da unser Ofen nach wie vor eklig ist und wir Rührschüssel, Rührgerät, Kuchenform etc. sowieso nicht haben, fällt Backen flach und wir brauchen den Zucker nur für unseren Tee. Oder besser gesagt Julia braucht den Zucker für ihren Tee, da ich keinen gesüßten Tee mag.

Wie gesagt, vor etwa drei Wochen haben wir eine Packung gekauft. Und heute musste die zweite her. Ja, das heißt, dass Julia innerhalb von drei Wochen EIN KILO Zucker allein für ihren TEE verbraucht hat! Ich bin… beeindruckt.

Ansonsten, hm. Wirkliche Neuigkeiten gibt es nicht. Es ist immernoch kalt und die Heizungen laufen (mit Ausnahme des Heizkörpers im Bad) nicht. Es geht das Gerücht um, dass die anderen Heizkörper erst ab Januar angestellt werden, denn vorher gäbe es ja hier keinen richtigen Winter. Uns ist aber jetzt schon kalt! Und bei einer Außentemperatur von 12°C würde ich ehrlich jetzt schon gerne die Heizung aufdrehen.

Ach ja, wir fürchten übrigens um unsere Fahrräder. Irgendjemand macht sich hier einen Spaß daraus, die Reifen zu zerstechen. Zwei Studenten wurde in der letzten Woche auch ihr Fahrrad geklaut, und zwar aus dem – abgeschlossenen! – Fahrradschuppen heraus. Klasse Sache. Ich hoffe einfach, dass mein Fahrrad hässlich und kaputt genug ist um nicht geklaut zu werden.

Hyvää yötä und drückt uns am Donnerstag die Daumen, da haben wir mündliche Prüfung!

Anne

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Jumppalaulu

So, ein wirklicher Eintrag folgt noch… ich bin totmüde und muss leider noch Hausaufgaben machen… von daher gibt es nun nur einen kleinen Einblick in das, was ich die drei Tage, an denen ich krank war, leider verpasst habe:

http://www.youtube.com/watch?v=DaKqFOFzpeY&feature=related

Und falls jemand das Verlangen verspürt, mitzusingen, gibt es hier auch noch den Text:

Pää, olkapää, peppu,

polvet, varpaat

(kosakischer Männerchor im Hintergrund: polvet, varpaat!)

Pää, olkapää, peppu,

polvet, varpaat

(kosakischer Männerchor im Hintergrund: polvet, varpaat!)

Silmät, korvat

ja vatsaa taputan!

Pää, olkapää, peppu,

polvet, varpaat

(kosakischer Männerchor im Hintergrund: polvet, varpaat!)

usw… ich wünsche sehr viel Spass ^__^

Ach, und sollte es noch jemanden geben, der immer noch nicht genug von finnischen Gesängen hat – ich hätte noch singende Steinstatuen zu bieten. Ich habe keine wirkliche Ahnung, WAS genau die da singen… aber da es um VR geht, denke ich mal, die singen, wie toll die Züge sind und wie billig man mit ihnen reisen kann… vielleicht…

http://www.youtube.com/watch?v=nilEB-gFvUQ&feature=related

Für bleibende Schäden hafte ich nicht!

(Anne ist im Übrigen Schuld an diesem Eintrag – sie hat darauf bestanden, dass ich das hier poste!!)

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Montag, 11.08.08 bis Montag, 18.08.08

Oh, haha, nun habe ich eine gesamte Woche das Ding hier nicht aktualisiert. Ehm, ja, aber ich lebe noch!

Also, da ich zumindest einen treuen Leser in Form von meiner Tante habe (Hi, Monika! Mir ist es zwar ein Rätsel, wo genau du wie die Kommentare hingeschrieben hast, aber ja, ich habe beide bekommen, da ich immer via E-Mail benachrichtigt werde! Ich freue mich aber weiterhin über Kommentare von dir hier… über wkw bin ich aber auch weiterhin zu erreichen ^^), geht es nun hier mit den neuesten Neuigkeiten aus Finnland weiter.

Ach, nebenbei gesagt hab ich auch einen guten Grund, warum ich eine Woche nichts Neues geschrieben habe… aber dazu später mehr.

Fangen wir also mit dem Montag an, der weitestgehend unspektakulär war. Immerhin habe ich bei einem kurzen Test im Unterricht gemerkt, dass ich bis dato ganz gut war, was den Stoff anbelangte.

Dafür war die Hausaufgabe, die wir bekommen hatten, umso interessanter – besonders für die Leute, die uns gesehen haben.

Jeder von uns hat eine (grellgelbe) Liste mit Begriffen von Lebensmitteln bekommen, also Wörter wir Apfel, Zwiebel, Tomate, Bier, Milch, Joghurt, Essig und so weiter.

Aufgabe war es nun, die finnischen Wörter dafür zu finden und dazu sollten wir in einen Supermarkt gehen und das dort raussuchen. Darauf hat unsere Lehrerin bestanden, da es zu einfach gewesen wäre, das lediglich im Online-Lexikon nachzuschlagen.

Und da wir ja liebe und wohlerzogene Mädchen sind, die das tun, was uns gesagt wird und wir sowieso in den Supermarkt mussten, um was zum Abendessen zu kaufen, haben Anne, die andere Julia, Katja, Jenny und ich uns unsere Listen geschnappt und den Supermarkt im Stadtzentrum gekapert.

Bis auf das Wort für „alkoholfrei“ haben wir auch wirklich alles irgendwie zusammengesucht bekommen. Ah, okay, das Wort für „Huhn“ war auch falsch, aber das lag wahrscheinlich eher daran, dass das einzige Huhn, dass es in dem Laden gab, ein seltsam anmutendes Suppenhuhn war.

Wir haben außerdem gemerkt, dass die Finnen sich sehr gerne Worte borgen und sie – das finde ich besonders sympathisch – solange malträtieren, bis sie in die finnische Sprach passen.

So begegnen einen Worte wie „tomaatti“ oder „kurkku“ (Gurke) oder auch „appelsini“ und „rypsiölji“ (Rapsöl).

Echt toll!

Ein finnischer Herr bildet sich allerdings nun aber wahrscheinlich ein, dass wir ihn allesamt anbeten. Da er gerade so praktisch hinter uns stand und unter das Schema „Ich könnte ein Student sein und deswegen auch Englisch sprechen“ fiel, haben wir ihn gleich einmal angesprochen und gefragt, ob er uns sagen könne, was denn „Ketchup“ auf finnisch heißt („ketsuppi“, wenn ich mich recht erinnere). Ich denke, der arme Kerl wollte einfach nur an den Essig und kam nicht ran, weil sich fünf Weiber mit gelben Zetteln vor dem Regal verbarrikadiert hatten.

Nun ja, dumm war dann aber, dass wir eigentlich DIREKT vor dem Ketchup standen. Ja. Ich denke, er kam sich ein bisschen verarscht vor.

Nun gut, neben den Hausaufgaben erledigten wir noch unsere Einkäufe und ich nutze die Gunst der Stunde und schnappte mir einen der Schokoriegel, die ich so liebe. Er nennt sich „Brejk und ist einfach toll!

Oh, ich bin ja so süchtig! Er hat eine Karamellfüllung (ziemlich hart, aber nichts, was gut schmeckt, kann sich mir entziehen!) mit Schokolade inklusive Crispies außenrum. Lecker!

Anschließend wollten wir uns dann auch schon wieder auf den Heimweg machen. Vor allem, da ich vor unserem Ausflug in den Supermarkt noch bei KOAS war, um meine Mac-Nummer zu korrigieren und nun die Hoffnung hatte, dass mein Internet funktionierte!

Wir sind also zuerst zu dem Fahrradladen bei der Uni gelaufen und haben Annes Fahrrad abgeholt. Der Verkäufer dort ist ganz nett…. Findet sich selbst aber auch wahrscheinlich ganz toll.

Mir wollte er auch ein Fahrrad verkaufen. Als ich in darauf hinwies, dass ich schon eines habe und dass ich auch schon ein Schloss und einen Korb habe, die ich im Übrigen letzte Woche bei ihm gekauft hatte, meinte er nur: „Ach, du bist die Französin, nicht?“

Nein.

Aber egal. Die andere Julia hat er mit einer beständigen Hartnäckigkeit für eine Holländerin gehalten und hat sich auch durch alles „No, NOT Dutch!“ nicht von etwas anderem überzeugen lassen.

Ich hab dann mein Fahrrad noch bei der Uni abgeholt und wir haben einen Zwischenstopp bei der anderen Julia gemacht, da sie etwas sehr Nettes besaß: eine Luftpumpe.

Julia wohnt im Moment zur Zwischenmiete bei einer finnischen Freundin, bevor sie im September nach Kortepohja ins Studentendorf zieht. Ihre derzeitige Wohnung liegt ungefähr drei Minuten von der Uni entfernt – ja, ich bin neidisch.

Anne ist dann mit mir nach meiner Führung nach Myllyjärvi gefahren. Und sie konnte sich selbst davon überzeugen, dass ich keine Scherze mache, wenn ich sage, dass ich den Orientierungssinn einer Gurke habe. Nicht nur, dass ich mich morgens auf dem Weg zur Uni schon verfahren hatte, nein, an dem Nachmittag habe ich es auch noch einmal geschafft und habe Anne einen Berg hochgejagt, den wir gar nicht hoch mussten. Ja, lustig, ich weiß.

Sollte irgendwer Lorenor Zorro aus One Piece kennen – ich hab’s mit Sachen Orientierung ungefähr genauso drauf wie er.

Naja, dass Verfahren war allerdings unser geringstes Problem… unangenehmer war eher die Tatsache, dass es auf der Hälfte des Weges anfing zu schütten.

Ich hatte morgens schon die zweifelhafte Ehre eines Regenschauers gehabt, aber zum einen war ich während des Sprachkurses glücklicherweise wieder getrocknet und zum anderen war das kein Vergleich zu dem, in das wir hineingeraten waren.

Das war die Apokalypse in flüssiger Form und wir waren mittendrinnen!!! Zum Umdrehen waren wir auch schon zu weit und als die erste Brücke, unter die wir uns hätten unterstellen können, in Sicht kam, waren wir schon dermaßen durchweicht, dass wir einfach weiterfuhren.

Wir sind dann irgendwie die Strasse entlanggeschwommen – ich fühlte mich ein bisschen wie eine Forelle… wirklich feuchter ist es in einem Fluss auch nicht! Und sind nach einem kleinen Umweg dann schließlich zu Hause angekommen und konnten uns zuerst mal aus unseren Klamotten schälen.

Das einzige, was an mir noch trocken war, waren meine Haare, da ich einen Hut getragen hatte. Der Rest war einfach nur durchweicht. Meine Jeans konnte man auswringen…. Ebenso meinen Wollmantel, die Jacke, die ich drunter getragen hatte, Teile meines Pullis… und mein Schal war sowieso nass.

Meine Schuhe, meine Socken…. Kurz gesagt: alles und wirklich alles.

Nachdem wir beide in dem Versuch, uns wieder aufzuwärmen, unter die Dusche gesprungen waren, haben wir dann unsere Klamotten im Bad aufgehängt – wie gesagt: Der Heizkörper im Bad ist der einzige, der im Moment läuft und die Sachen sollten ja irgendwann auch wieder trocken werden. Vorzugsweise bis zum nächsten Tag.

Erfreulich war dann allerdings, dass mein Internet wirklich funktionierte! Nun kann ich zumindest meiner Sucht frönen und muss ich nicht ständig Annes PC blockieren (sie dankt es mir auch sicherlich).

Außerdem ist das mailen und GB-einträge schreiben und alles doch angenehmer, wenn man es am eigenen PC macht…

Ich war ein bisschen besorgt, da wir ein Limit haben, was wir innerhalb von 24 Stunden an Daten übertragen dürfen. Aber dieses Limit liegt bei 1 GB pro 24 Stunden… und da ich keine Filme lade oder Ähnliches mache bin ich bisher gut damit ausgekommen. Und zur Not gibt es auch eine kluge Seite, die stündlich ausrechnet, wie viel Prozent von seiner Quote man schon verbraucht hat.

Mein Rekord lag bis bei 17% und das war nachdem ich die Bilder von der Animagic hochgeladen hatte – mit dem Limit sollte man also irgendwie leben können, denke ich.

Am Dienstag merkte ich dann allerdings, dass ich unseren Regenausflug doch wohl nicht ganz unbeschadet überstanden hatte – ich hatte ziemlich heftige Kopfschmerzen, hustete und hatte ein drückendes Gefühl auf den Bronchien. Blöd, ganz blöd.

Leider konnte nicht sofort nach dem Kurs heim, da wir noch mit unserer Tutorin verabredet waren. Wir sollten mit ihr nach Kortepohja fahren, um unsere Survival Kits zu bezahlen.

Eventuell habe ich es schon einmal erklärt, aber das Survival Kit besteht so aus dem Nötigsten, dass man für das Wohnen hier braucht. Also, einer Matratze, Bettwäsche, einem Kissen, drei Tellern in verschiedenen Größen, einer Tasse, einem Glas, einer Gabel… und so weiter… aber ich glaube, das habe ich schon einmal erzählt…

Das Survival Kit selbst kostet 60€. Wir bekommen allerdings 40€ zurück, wenn wir alles unbeschadet zurückgeben.

Da die drei Mädels aus Südafrika keine Fahrräder hatten, sind wir eben dorthin gelaufen und schoben unsere Räder neben uns her. Unterwegs habe ich mich mit einem der beiden Belgier unterhalten (was mich überrascht hat – bisher schienen die nicht allzu kommunikativ zu sein… und der andere war es definitiv auch nicht) und dann nachher ein bisschen mit der einen aus Südafrika gequatscht.

Dabei habe ich erfahren, dass der Belgier den Bodensee nicht kennt! SKANDAL!!

Ich kenne Brüssel und das Atomium auch! Und ich war auch noch nie in Belgien und habe Französisch nach der elften Klasse abgewählt! (das habe ich ihm aber nicht erzählt).

Einer der deutschen aus meiner Gruppe hat erzählt, dass es am letzten Freitag hier bei einem Club anscheinend eine Schiesserei gegeben haben soll. Drive-by-shooting, wenn ich es richtig verstanden habe, aber ich kann immer noch nicht genug Finnisch, um den Klatsch und Tratsch hier zu verstehen… schon alleine deswegen lohnt es sich sicherlich, schnell finnisch zu lernen. Dann entziffere ich vielleicht irgendwann auch teile des Käsblattes, das hier regelmäßig eingeschmissen wird und in das wir bisher eigentlich lediglich unseren Biomüll einwickeln. Vielleicht stehen da ja DIE Nachrichten drinnen und wir wissen und verstehen es nicht? Das wäre durchaus tragisch…

Nun, aber zurück zur Schiesserei. Nachdem wir wohl alle ein bisschen… komisch geguckt hatten, versicherte uns unsere Tutorin aber, dass das hier nicht üblich sei.

Woraufhin die Südafrikanerin lachte und meinte: „Ach, wisst ihr, wenn das in Südafrika passiert und das einer erzählt – das ist nichts besonderes, da hört schon keiner mehr zu!“

….naja, zumindest hat sie einen Sinn für Humor.

Nachdem wir in Kortepohja unsere Survival Kits bezahlt hatten, konnte ich mich zum Glück an Holger anhängen. Der wohnt auch in Myllyjärvi und besitzt so etwas wie einen Sinn für Orientierung! Praktisch.

Und so war ich nicht gezwungen, den wortkargen Belgiern zu folgen. Die wohnen zwar auch in Myllyjärvi, sind aber sofort davongerauscht. Entweder trauen die uns nicht, oder… keine Ahnung, zumindest musste ich nicht wie eine Irre denen hinterherradeln und das ist schon ganz nett so.

Nach einem weiteren Tête-à-tête mit meinen Freunden, den lieben Hügeln von Jyväskylä, kam ich auch fertig wie ein Schnitzel im Wohnheim an.

Hab dann aufgrund meiner körperlichen Verfassung beschlossen, meine Freundschaft mit Aspirin Plus C zu vertiefen und mich anschließend ins Bett zu legen.

Jo, da lag ich dann auch gut zwei Stunden und habe friedliche geschlummert, bin dann aufgestanden, hab was gegessen, hab was getrunken, und hab mich wieder ins Bett gelegt.

Die Chancen auf Wunderheilung über Nacht standen schlecht. Hab es dennoch mit Grippostat und Tee versucht, musste am nächsten Morgen dann aber feststellen, dass es sowas wie den Heilschlaf anscheinend doch nur bei Goethe gibt. (Haha, von meinem Deutschabitur ist was hängen geblieben! Orest hat in Goethes Werk „Iphigenie auf Tauris“ nämlich einen Heilschlaf, woraufhin die Furien, die ihn verfolgten, von ihm ablassen. Vielleicht funktionierte es bei mir auch nicht, weil ich von keinen Furien verfolgt wurde, sondern nur von ein paar nervenden Bazillen…. Hm…).

Ja, und daraufhin folgte der ereignisreiche Tag, der sich Mittwoch nannte. Er bestand eigentlich hauptsächlich darauf, dass ich geschlafen oder Tee getrunken habe. Ja. Ach, und den dritten One Piece Movie habe ich noch geschaut.

Von dem ersten war ich ja sehr enttäuscht, aber wie Sandra mir schon versichert hatte, war der zweite schon besser. Der dritte war nun auch nett und ich war ziemlich froh, dass ich mich nicht noch über einen schlechten Film aufregen musste =)

Anne hat mir dann aus der Apotheke in der Stadt einen Saft mitgebracht. Der schmeckte zwar ziemlich widerlich, war aber laut der Apothekerin „the best“, also habe ich ihn tapfer geschluckt. Und – hurra! – er wirkte sogar richtig gut!

Mittwochabend ging es mir dann schon bedeutend besser als am Morgen, ich war aber noch dermaßen groggy, dass ich auch den Donnerstag zu Hause geblieben bin.

Und es folgte ein ebenso ereignisreicher Donnerstag, den ich damit verbrachte, zu schlafen, Tee zu trinken und den vierten One Piece Movie zu gucken. Der hat mir dann sogar richtig gut gefallen! Einmal davon abgesehen, dass er mit 1 ½ Stunden nun wirklich einmal Filmlänge hatte und nicht wie die anderen drei nur 50 Minuten ging!

Gegen Mittag läutete es dann an unserer Tür. Unsere Klingel hat einen seltsamen Klang und ich bin mir nie wirklich sicher, ob es nun wirklich an unserer Tür geläutet hat oder nicht.

Sowieso ist dieses Haus verdammt hellhörig. Ich höre mehrmals täglich die Bewohner der Wohnung über mir und man hört auch, wenn sich jemand im Flur unterhält.

Allerdings ist die Wohnung neben uns aber wahrscheinlich noch leer oder die Bewohner sind tot oder taub. Bisweilen lasse ich hier meine Musik gerne etwas lauter laufen… nun ja, im Moment bin ich aber brav und trage Kopfhörer. Die von meinem Headset haben einen erstaunlich guten Klang!

Nun, der, der vor unserer Tür stand, war der Paketbote und er hatte mein Paket von meinem Vater an mich dabei! Hurra!!!

Nicht nur, dass nun mein gesamtes Zeug endlich angekommen war, nein, ich musste das höllisch schwere und große Paket auch nicht irgendwie nach Hause transportieren, sondern nur noch in die Wohnung buchsieren.

Der Paketbote selbst war wahrscheinlich auch froh, dass ich zu Hause war und er das Ding nicht noch einmal nach unten schleppen musste (oh, und hätte ich es auch finnisch sagen können, hätte ich ihm vielleicht sogar gesagt „Seien Sie froh, dass ich nicht im vierten Stock wohne!“… auch wenn er mich dann wahrscheinlich einfach mit meinem eigenen Paket erschlagen hätte).

Eine Unterschrift und einmal 20 kg durch den Flur schleppen später, habe ich dann mein Paket sofort ausgepackt und mich über den Inhalt gefreut: Pullover! Jacken! Schuhe! Meine Bettdecke! Noch mehr Pullover! Warme Socken! Meine Wärmflaschen! Und die 1kg schwere Packung Colorado, die mir Betti geschenkt hatte!

Wäre es mir ein bisschen besser gegangen, hätte ich vielleicht sogar ein Freudentänzchen aufgeführt. So habe ich mich einfach wieder ins Bett gelegt und einen Schokokeks gegessen.

Nebenbei gesagt hat mein Vater auch drei Kleidungsstücken meiner Schwester einen unfreuwilligen Aufenthalt in Finnland ermöglicht – ich habe hier zwei Jäckchen und ein T-Shirt von ihr. Naja, bis auf das T-Shirt passt mir das Zeug aber auch… Jäckchen sind wichtig, da WARM, von daher sehr willkommen.

Habe den Rest des Tages dann damit zugebracht, die Bilder von der Animagic zu bearbeiten und hochzuladen.

Wobei bearbeiten auch relativ ist – das Grafikprogramm, das ich nutze, ich zu Hause auf meinem PC und mein Grafiktablett liegt auch da. Zusätzlich habe ich hier keine Maus für den Laptop… also musste ich alles mit dem Touch-Teil des Laptops machen.

Zuerst habe ich mich im Internet nach einem Grafikprogramm umgesehen. Wollte zuerst eine Testversion von Photoshop oder Paint Shop Pro herunterladen – 30 Tage freie Nutzung sollten mir wirklich reichen, um die paar Bilder zu bearbeiten! – allerdings hatten die Testversionen ungefähr 400 MB und… ja, wie gesagt, ich habe da ein Limit, das ich nicht überschreiten sollte.

Nach ein bisschen Herumsuchen bin ich dann auf ein Freeware-Programm, das sich „GIMP“ nennt, gestoßen – das tut es für mich auch.

Wie gesagt… so schrecklich viel konnte ich ohne mein Grafiktablett auch nicht machen… mal davon abgesehen, dass ich zuerst noch ein bisschen mehr üben sollte, um das, was ich da machen wirklich „Fotos bearbeiten“ zu nennen.

Habe mich dann auf das übliche beschränkt und fleißig nachbelichtet, Weichzeichner verteilt, Pickel und Ähnliches übermalt, Animagic-Bändchen retuschiert, nervende Leute im Hintergrund rausgeschnitten usw…

Das Hochladen abends ging dann auch wirklich schnell. Vielleicht sollte ich Fotos zukünftig immer erst zwei Wochen nach der Con hochladen. Meine Nerven danken es mir.

Bin dann auch brav ins Bettchen gegangen, da ich eigentlich vorhatte, am Freitag wieder zur Uni zu gehen.

Leider machte mir da mein Kreislauf einen deutlichen Strich durch die Rechnung und ich habe dann eben beschlossen – gut, kein Kurs. Nächste Woche dann wieder.

Der Tag an sich war dann ähnlich unspektakulär wie die beiden davor. Das Highlight war noch, dass wir abends Uncle Ben’s Sonstwas aus dem Glas gekocht haben und ich beschloss: Ich ess das nie wieder.

Irgendwie schmeckt das Zeug alles gleich und alles gleich schlecht. Also, okay, nicht wirklich so schlecht, dass man nun sofort die Flucht ergreifen muss… aber auch nicht wirklich gut, dass man es noch einmal braucht.

Wir haben allerdings noch ein Glas mit Curry im Schrank stehen. Das ist die letzte Chance die Uncle Ben’s von mir bekommt, was das Fertigzeug aus dem Glas angeht! Wenn die selbst mein geliebtes Curry versaut haben, werde ich sie weitestgehend boykottieren, was Fertigsaucen angeht.

Abends habe ich dann noch mit meiner Schwester über Skype gechattet. Sie war so nett und hat mir auch ihre Webcam mitgegeben, so dass ich ihr auch mein Zimmer hier zeigen konnte. Zwischendurch kamen einmal zwei ihrer Kollegen vorbei (ja, sie war gerade auf Arbeit) und ich konnte sogar meine bescheidenen Finnischkenntnisse unter Beweis stellen (Memo an selbst: Zum Leute Beeindrucken langt es schon!).

Und nun habe ich gerade mit der falschen Tastenkombi das Format meines Textes versaut.

Oh, ich habe es echt drauf…

Samstag wurde dann zuerst einmal lange ausgeschlafen. Anschließend haben Anne und ich einen Ausflug nach Keltinmäki gemacht, um Annes Pakete abzuholen. Die waren nämlich eigentlich am Mittwoch hier angekommen, aber wahrscheinlich habe ich das Klingeln des Paketboten einfach überschlafen.

Die Pakete selbst müssen wir nicht in einer Postfilliale abholen, sondern in einem „R-Kioski“. Das ist eben ein normaler Kiosk… der in Keltinmäki hat aber noch so etwas wie eine Post integriert. Zumindest kann man bei der Frau hinter dem Tresen nicht nur Kaugummi und Zeitschriften kaufen, sondern auch Päckchen abholen und Post abschicken.

In weiser Voraussicht sind wir NICHT mit dem Fahrrad, sondern mit dem Bus dorthin gefahren. War auch wirklich klug, denn auf Anne warteten fünf Pakete, die zusammen irgendetwas zwischen 20 und 25 kg wogen. Ich weiß nicht, wie wir die auf dem Fahrrad hätten transportieren sollen!

Der Busfahrer hat allerdings ein bisschen seltsam geguckt… da wir wirklich nur schnell in den Kiosk gegangen waren, um die Pakete abzuholen, stiegen wir nämlich wieder in den gleichen Bus ein, mit dem wir auch gekommen waren (die fahren hier eben auch nur ihre Linien ab…). Nur, dass wir dieses Mal noch Verstärkung in Form von fünf Paketen hatten!

Danach sind wir dann noch zum Prisma aufgebrochen, um die nun hoffentlich wirklich letzten nötigen Dinge zu besorgen (mal abgesehen von Lebensmitteln).

An dem Tag war noch ein Sauna-Ausflug geplant, der allerdings freiwillig war. Und ich habe freiwillig darauf verzichtet, da ich mich noch ein bisschen zu erkältet fühlte, um nach sonst wo zu radeln, da in die Sauna oder schwimmen zu gehen oder meinetwegen auch nur irgendwie draußen rumzusitzen und dann wieder heimzuradeln.

Eh, nein danke…

Wir haben uns dann im Lidl zuerst einmal den letzten Tretmülleimer gekrallt, den sie hatten. Den brauchten wir nämlich für unser Bad und da er nur 10€ kostete, hat er nun das Privileg, unter unserem Waschbecken stehen zu dürfen. Ganz praktisch, so müssen wir nicht für jedes Schnipsel Abschminktuch in die Küche zum Mülleimer rennen.

Zusätzlich haben wir uns dann auch noch Mineralwasser mit Kohlensäure gegönnt. Nichts gegen Leitungswasser, aber so ein bisschen Abwechslung ist dann auch schon mal nett….

Im Prisma haben wir uns dann die Putzutensilien gekauft, die wir noch brauchten. Da wir uns weiterhin vehement weigerten, den bereits lebenden Wischer zu benutzen, haben wir uns einen Swiffer (der nicht Swiffer heisst, aber so aussieht) gekauft. Gefegt hatten wir zwar in der Wohnung, aber irgendwie schrie der Boden doch danach, mit Wasser gewischt zu werden…

Zusätzlich leisteten wir uns auch noch einen neuen Duschvorhang. Der alte war eben wie gesagt wirklich ekelhaft… man war doch gezwungen, ziemlich mittig zu duschen, damit man das Ding nicht aus Versehen berührte (was aber natürlich trotzdem hin und wieder passierte…. Pfui!, sage ich da nur!).

Unser neuer Duschvorhang stellt nun wenigstens keine neue Lebensform da und außerdem hat er ganz fesche Frösche drauf!

Die Rechnung war dann auch dementsprechend hoch… aber nun haben wir zumindest mal wirklich so das, was wir so zum täglichen Leben hier brauchen.

Die Lebenshaltungskosten sind in Finnland sowieso etwas höher als in Deutschland. In großen Supermärkten wie im Prisma fällt es zwar nicht sooo stark auf, aber man merkt es dennoch. Es gibt zwar im Prisma auch die Marke „Rainbow“, die vergleichbar mit „Ja!“ vom Tampon bis zu den Kartoffelchips hier einiges herstellt, aber gerade bei Lebensmitteln fällt der höhere Preis auf.

Für eine normale Gurke haben wir hier 1,49€ gezahlt… Obst ist auch nicht gerade ein Schnäppchen und Käse (sehr zu meinem Leidwesen) ein wahres Luxusgut!

Für 300 Gramm normalen Käse zahlt man hier gut und gerne 4,50€!

Ich wollte eigentlich einen Gouda haben… aber der ist dermaßen teuer, dass ich es doch lieber gelassen habe. Vielleicht in einem schwachen Moment einmal… der billigste Käse hier (und der, den es am häufigsten gibt) ist im Übrigen Edamer.

Was man allerdings hinterher geschmissen bekommt, sind Kartoffeln! Für 700 Gramm haben wir 60 Cent gezahlt! Also… sollten wir irgendwann kein Geld mehr haben, essen wir einfach Kartoffeln. Es gibt ja auch viele Gerichte mit Kartoffeln… Bratkartoffeln, Salzkartoffeln, Kartoffelgratin, Kartoffelpuffer….

Wir haben uns fürs Abendessen allerdings Tiefkühlpizzen geholt und mussten amüsiert feststellen, dass die Pizzen von Ristorante hier noch die günstigsten sind!

Während ich mich nach dem Essen noch ein bisschen hingelegt habe, hat Anne schon die Kampf gegen den Schmutz, Teil 2, aufgenommen und Bad, Küche, Flur und ihr Zimmer gewischt. Ich fand das wirklich sehr nett von ihr… vor allem, weil wir nun das paranoide Gefühl los sind, sobald wir sockig in der Wohnung herumlaufen.

Abends habe ich dann noch fleißig an der Zeichnung für mein Cos für die Hanami 2009 gezeichnet. Manu, Ricki und ich hatten unsere Cosplays schon einmal bei mir zu Hause skizziert und ich hatte gerade so etwas wie eine kreative Phase (und dazu auch noch keine wirkliche Lust, Finnisch zu lernen) und die musste ich ausnutzen!

Ich bin auch wirklich stolz auf meine Zeichnung… ich selbst finde sie hübsch!

Am meisten begeistern mich noch die Haare… bin gespannt, wie mir die Perücke steht. Zwecks Make-up muss ich einmal Kah fragen, ob die mit mir Probeschminken macht… aber da die Hanami erst nächstes Jahr im Mai ist, hat das noch ein bisschen Zeit ^^

Das Kleid selbst gefällt mir auch gut… die Frage ich natürlich, ob es mir auch so gut steht und ob ich es auch so hinbekomme.

Fakt ist nur, dass ich bis an das Ende meiner Tage Pailletten annähen werde. Aber ich habe auch meterweise Fell von Hand angenäht und Manu hat schon angedeutet, dass sie sich von meinem Paillettenwahn hat anstecken lassen – also bin ich wenigstens nicht alleine!

Am gestrigen Sonntag haben wir uns dann nachmittags mit Julia zum Kaffeetrinken getroffen. Das Café in dem wir waren, war auch sehr gemütlich. Es hatte Sessel, in die man sich fläzen konnte und die heiße Schokolade („kaakao“), die ich getrunken habe, war wirklich sehr lecker!

Die Bedienung war auch sehr freundlich und hat eine seltsame Mischung aus Finnisch und Englisch gesprochen. Ich habe sie natürlich nicht verstanden… ich bin einfach unfähig… nett war die Frau aber auch jeden Fall und hat mir dann auch noch mein Rückgeld so erklärt, damit ich auch wusste, was die entsprechenden Beträge auf Finnisch heißen.

Später sind dann noch Katja und Jenny vorbei gekommen und wir sind zum H&M gegangen, um uns da ein bisschen umzuschauen. Viele Geschäfte und eigentlich alle Supermärkte haben in Finnland nämlich auch sonntags offen! Das ist überaus praktisch!
Wahrscheinlich werde ich das in Deutschland dann wieder vermissen…

Im H&M habe ich mir dann einen Mantel gekauft. Für den Winter reicht er nicht, aber zumindest den Herbst – oder Teile des Herbstes – sollte ich damit ganz gut überstehen.

Wenn ich noch wüsste, wo zur Hölle mein anderer Mantel für den Herbst ist, dann hätte ich ja auch einen mitgenommen, aber irgendwie fürchte ich, dass das Ding Füße bekommen hat (oder es liegt bei irgendeiner Freundin und die wundert sich, wessen Mantel das sein könnte…).

Wir haben uns dann noch ein Kinoprogramm mitgenommen und werden einmal schauen, ob wir vielleicht am Donnerstag ins Kino gehen – da kostet der Eintritt nämlich nur 5€!

Ich habe nun immerhin auch jemanden gefunden, der mit mir in „Batman – Dark Knight“ geht und dann noch jemanden, der „Star Wars – The Clone Wars“ sehen will! Hurra!!

Die Filme selbst sind hier nicht synchronisiert (ich hoffe, dass das auch so ist)… nur die Titel sind übersetzt, und so heißt „Die Mumie“ auf Finnisch: „Muumio“ – Hahahaha! Mir gefällt’s!

Beziehungsweise lautet der gesamte Titel des Films „Muumio: Lohikäärmekeisarin Hauta“ – und nein, ich versuche nun nicht, das auszusprechen…

„Dark Knight“ heißt auf Finnisch „Yön Ritari“ und ich frage mich die ganze Zeit, was davon „Ritter“ und was „Dunkel“ heißt… weil… „Ritari“ klingt doch sehr nach Ritter, oder?

Und „yön“ – „yötä“ ist der Partitiivi von „Nacht“, das würde ja passen…. Bisher habe ich aber immer verpennt, das mit dem Onlinelexikon zu überprüfen…

Unser Spaziergang zum See wurde dann aber unfreiwillig kurz, da es anfing zu regnen.

Aber der Bodensee ist sowieso schöner ;)

Am Abend habe ich dann zuerst einmal Oma und Opa, Papa und Kah angerufen – bei Skype kann man nämlich via Paypal ein Guthaben aufladen und dann ins Festnetz telefonieren. Sehr praktisch, finde ich ^^ So kann ich nun wenigstens auch die Leute erreichen, die nicht wirklich wissen, wie das mit Skype funktioniert.

Es ist auch gar nicht so teuer, wie ich gefürchtet habe – die drei Telefonate gestern haben mich zusammen ungefähr 1,50€ gekostet. Das geht, finde ich. Billiger als Handy ist es allemal!

Anne hat auch mit ihrer Familie geskypt… auch wenn da technisch bedingt zwischendurch einmal Zwangspause war.

Ach, und ich habe mein Zimmer gewischt und angefangen, den verpassten Stoff nachzulernen… war auch keine schlechte Idee, da wir Dienstag einen Test schreiben und ich den Stoff bis dahin also können sollte!

Tja und der heutige Montag war dann auch noch frei, weil unsere Lehrerinnen auf irgendeiner Konferenz waren. Auch gut! ^___^

Wir haben dann wieder einen Ausflug nach Keltinmäki gemacht, um unsere Post dort aufzugeben. Ich habe einen Schwung Postkarten, mein ConHon für Sandra und das (sehr sinnvolle) Geburtstagsgeschenk für Lotti abgeschickt und auch brav darauf geachtet, dass Thorsten eine möglichst hübsche Briefmarke bekommt und keinen unspektakulär-weißen Zettel, wie man den bei uns bekommt, wenn man Briefe an der Post angibt.

A propos Lotti – die Gute hat mir auch einen Brief geschrieben, der heute bei mir ankam!

Vielen vielen Dank, Lotti! Ich habe mich sehr gefreut!!!

Und eine Antwort gibt es dann natürlich auch ^_^

Nun und ansonsten war heute dann auch nicht wirklich viel los. Wir haben gekocht und gegessen und… ich werde nun noch ein bisschen Finnisch lernen (müssen). Ein paar Verben brennen nur so darauf, von mir konjugiert zu werden!

So, dann werde ich mich mal ans Lernen machen…

Morgen früh haben wir dann zwar auch noch frei, aber Anne und ich haben Unterhaltung der besonderen Art. Auf dem Programm steht:

Zwei deutsche Studentinnen mit viel Dreckwäsche vs. Eine finnische Waschmaschine.

Wünscht uns Glück!!!

Ach, und das abschließende Wort zu diesem Eintrag besteht heute aus einem Link zu einem Lied, das wir von unseren Lehrerinnen vorgespielt bekamen, als wir das Buchstabieren lernten.

Das Lied, von dem ich spreche, nennt sich „R-A-K-A-S“ und ist hier so etwas wie ein Kultsong und wird somit in den Diskos und so weiter gespielt.

Tapanis Kansa – der Interpret – ist somit laut unseren Lehrerinnen in Finnland bekannt für Tanzmusik…und dafür, dass er zu schnell und betrunken Auto fährt.
Das schönste an dem Lied ist, dass man kein Finnisch können muss, um das „Lalala“ mitzugröhlen!

Ich wünsche viel Spaß!

http://www.youtube.com/watch?v=cd-JFRaNIpU

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